II.BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON 10.-24. April 2012
 

 

     

 Delia Derbyshire   (Akronym: MESMA - Multi-sensory Electronic Sound, Music and Arts)

                                 Komponistin, Mathematikerin und Pionierin der elektronischen Musik

    

You need to have discipline in order to be truly creative. If you're just given total freedom to do   

anything you like... You've got to impose some discipline on either the form you're going to use

or the sounds you're going to use. (Delia Derbyshire)


Geb. 5. Mai 1937 in Coventry; gest. 3. Juli 2001 in Northampton.


I came from - what they'd like to call themselves - an upper working class Catholic background   

in Coventry. I was there in the blitz and it's come to me, relatively recently, that my love for

abstract sounds came from the air-raid sirens: that's a sound you hear and you don't know the

source of as a young child... then the sound of the "all clear" - that was electronic music. I

mentioned the Catholic bit: I was taken to benediction as a child and it was all in Latin - plain

song hymns in an abstract language. After the worst blitz I was shifted to Preston, where my

parents came from. It's only today that I've realised that the sound of clogs on cobbles must

have been such a big influence on me - that percussive sound of al the mill workers going to

work at six o'clock in the morning.

Klavierunterricht und später Musik- und Mathematikstudium an der Cambridge University.

Nach ihrem Abschluss 1959 bewarb sie sich im Aufnahmestudio von Decca Records, erhielt aber eine Absage, weil Frauen zu jener Zeit in diesem Bereich nicht eingestellt wurden. Sie übernahm daraufhin einen Posten bei den Vereinten Nationen in Genf, kehrte aber kurz

darauf nach London zurück und arbeitete im Musikverlag Boosey & Hawkes.

1960 kam sie als auszubildende Studiomanagerin zur BBC und ließ sich später in deren Forschungsabteilung ´BBC Radiophonic Workshop´ versetzen. Fortan arbeitete sie in dem legendären Room 13 der Maida Vale Studios in London. Dort komponierte sie Werke für das dritte Radioprogramm, aber auch für andere Radio- und Fernsehsendungen. Ihr bekannteste Arbeit ist die von Ron Grainer geschriebene und von ihr elektronisch ausgearbeitete und gestaltete Titelmusik für die britische Fernsehserie ´Doctor Who´. „On first hearing it Grainer was tickled pink: ´Did I really write this?´ he asked. - ´Most of it,´ replied Derbyshire.“ Wegen einer Richtlinie der BBC, die Mitarbeiter des Workshops in der Anonymität zu belassen, wurde ihr eine Erwähnung als Co-Komponistin verweigert, obwohl der vom Resultat begeisterte Grainer sich darum bemüht hatte. Die Titelmusik wurde auf Anhieb berühmt und zählt bis

heute zu einer der bekanntesten Soundtracks.

Da manche ihrer Kompositionen für den BBC Radiophonic Workshop nach Auffassung der Programmverantwortlichen indes „für 11-Jährige zu lasziv“ und „für das Publikum von BBC 2

zu anspruchsvoll“ waren, suchte sie sich Arbeitsfelder ausserhalb der BBC im Bereich des Films, Theaters, der „Happenings“ sowie von Aufführungen elektronischer Musik - Pop und ´psychedelic music performances´ inklusive.

 

I did rebel. I did a lot of things I was told not to do.

 

Sie lernte Kontraß spielen, nahm Stunden beim ersten Kontrabassisten von Covent Garden, arbeitete weiterhin mit Komponisten wie Sir Peter Maxwell Davies, Roberto Gerhard und Jani Christou zusammen, für deren Orchesterwerke sie Soundscapes entwickelte und war Luciano Berios Assistentin an der Dartington Summer School (1962). Begegnungen und punktuelle Zusammenarbeit gab es auch mit Paul McCartney, Karlheinz Stockhausen, George Martin, Pink Floyd, Brian Jones, Anthony Newley, Ringo Starr und Harry Nilsson..


Gemeinsam mit Brian Hodgson und Peter Zinnovieff gründete sie 1966 das private Elektronikstudio ´Unit Delta Plus´, das sich zum Ziel gesetzt hatte, elektronische Musik auf den zeitgenössischen Musikfestivals bekannt zu machen und beteiligte sich auch an weiteren Studios wie ´Kaleidophon´ und ´Electrophon´.

1968 gründete sie gemeinsam mit David Vorhaus die Band ´White Noise´, deren Debütalbum ´An Electric Storm´ 1969 erschien. Es wird allgemein als einflussreiches Album angesehen,

das später Künstler wie etwa Stereolab beeinflusste. Sie verließ die Band jedoch kurz darauf wieder, spätere White-Noise-Veröffentlichungen sind größtenteils Soloalben von Vorhaus.

Delia Derbyshire war an zahlreichen der ersten Events und Raves mit elektronischer Musik beteiligt, darunter am Watermill Theatre, Nr Newbury, Chalk Farm Roundhouse (mit Paul McCartney und George Harrison), der Royal Festival Hall sowie bei der ersten Modeschau

mit elektronischer Musik.


Derbyshire soon gained a reputation for successfully tackling the impossible. When asked to

"make some TV title music using only animal sounds" - much thought and ingenuity resulted in Great Zoos of the World. Delia always managed to soften her purist mathematical approach with

a sensitive interpretative touch - ´very sexy´ said Michael Bakewell on first hearing her electronic music for´Cyprian Queen´.

1973 verließ sie den BBC Radiophonic Workshop („the BBC was increasingly being run by committees and accountants, and they seemed to be dead scared of anything that was a bit unusual“) und stellte nach kurzer Tätigkeit für ein Tonstudio, wo sie u.a. den Soundtrack für ´The Legend of Hell House´ gestaltete, ihre Arbeit als Komponistin ganz ein. Sie schlug sich durch als Funkerin bei dem Gas-Konzern Laing Pipelines und arbeitete als Buchhändlerin und Galeristin. Erst Mitte der 1990er Jahre begann sie erneut zu komponieren - u.a. auf Anregung des Musikers Peter ´Sonic Boom´ Kember. Bis zuletzt arbeitete sie an ihrem neuen Album.

Kurz vor ihrem Tod schrieb sie: "Working with people like Sonic Boom on pure electronic music

has re-invigorated me. He is from a later generation but has always had an affinity with the music of the 60s. One of our first points of contact - the visionary work of Peter Zinovieff, has touched

us both, and has been an inspiration. Now without the constraints of doing 'applied music', my mind can fly free and pick-up where I left off."


1998 Begegnung mit dem Maler und Gründer der ersten Künstlervereinigung chinesischer abstrakter Künstler in England, Li Yuan Chia. Sie heirateten, arbeiteten und lebten zusammen in Cumbrien und betrieben eine Kunstgalerie.


2002 veröffentlichte die BBC posthum einen Teil ihrer früheren Arbeiten aus den 60er Jahren

( BBC Radiophonic Music ).

2008 sorgte ein in mühsamer Arbeit wiederhergestellte Fund von 267 erst nach ihrem Tod entdeckter Tonbänder mit unveröffentlichtem Material aus den 60er Jahren für Furore.

Darunter befindet sich neben dem Rohmaterial für Fernsehproduktionen auch ein experimentelles Tanzstück, dass der heutigen Technomusik sehr ähnlich ist. Die englische Zeitung ´The Times´, die über den Fund berichtete, nannte sie die ´Godmother of Electronic Dance Music´ und der ´Guardian ´bezeichnete sie als ´die unbekannte Heldin der britischen elektronischen Musik´.

Delia Derbyshires Arbeiten aus den 60er und 70er Jahren finden bis heute Einsatz beim Radio und Fernsehen; in Schweden und Japan genießt ihre Musik Kultstatus.
Ein vollständiges Werkverzeichnis gibt es indes bis heute nicht. Was sie über ihre bisher bekannten Kompositionen hinaus schuf, waren Soundtracks u.a. für das Brighton Festival,

das City of London Festival, Yoko Onos ´Wrapping Event´ (1967), eine Komposition für Peter Halls Filmkomödie ´Work is a 4 Letter Word´ (1968) , Klangeffekte und Theatermusiken für

vier Produktionen der Royal Shakespeare Company (RSC) in Straford-upon-Avon sowie für

das Greenwich Theatre, das Hampstead Theatre und das Chalk Farm Roundhouse.

Zwei hochinteressante, sehr empfehlenswerte Interviews mit Delia Derbyshire wurden 2000 veröffentlicht, geführt von Peter Kember (für das amerikanische Kunst und Kulturmagazin ´Surface´) und von John Cavanagh (für ´Boazine´ und BBC Radio Scotland).


Zit. u.a. nach David Butler, Manchester University´s School of Arts, Histories and Cultures

www.delia-derbyshire.org



THE ALCHEMISTS OF SOUND (UK 2003)


A film by Roger Pomphrey

feat. Oliver Postgate (narrator), Mark Ayres, Milton Babbitt, John Baker, Desmond, Briscoe, David Caine, Wendy Carlos, Malcolm Clarke, Delia Derbyshire, Maddalena Fagandini, Brian Hodgson, Peter Kember, Paddy Kingsland, Roger Limb, Dick Mills, Robert Popper, Adrian Utley, Frazer Hines, Jamie McCrimmon u.a.

Cinematography: Oli Hallowes, James Saligari

Sound: Richard Ashley, Matthew Johns

Music: Dave Stewart (composer title music)

Produced by: John Hayward-Warburton

Producer: Victor Lewis-Smith

Executive producer: Ned Parker

Assistant producer: Graham Pass

58 min.


A documentary about the BBC Radiophonic Workshop, responsible for creating some of the most memorable television and radio music in British popular culture, including "The Hitchhiker's Guide to the Galaxy" and Doctor Who.


The BBC´s Radiophonic Workshop was set up in 1958, born out of a desire to create ´new kinds

of sounds´.

THE ALCHEMISTS OF SOUND looks at this creative group from its inception, through its golden age when it was supplying music and effects for cult classics like Doctor Who, Blake´s Seven and Hitchhiker´s Guide To The Galaxy, and charts its fading away in 1995 when, due to budget cuts,

it was no longer able to survive.

There are interviews with composers from the Workshop, as well as musicians and writers who have been inspired by the output. Great archive footage of the Workshop and its machinery is accompanied by excerpts of the, now cult, TV programmes that featured these sounds.

 

Courtesy of the BBC

 

www.delia-derbyshire.org

http://whitefiles.org/rws/index.htm.

www.ems-synthi.demon.co.uk

www.lycfoundation.org