II.BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON 10.-24. April 2012

 

 

Fotos. Nikolaus Becker

 

MUSIK-FILM-MARATHON 2011

 

im Kino DIE KURBEL

 

Frank Scheffer  Filmemacher und Produzent

 

Geb. 1956 in Venlo/Niederlande.

Ausbildung an der Academy for Industrial Design Eindhoven (AIVE - Akademie Industriële Vormgeving Eindhoven) und an der Vrije Academie voor Beeldende Kunsten (Free Academy

of Visual Art) in Den Haag. Er studierte dort bei dem berühmten Avantgardekünstler und experimentellen Filmemacher, Musiker, Violinenbauer, Maler und Bildhauer Frans Zwartjes. Abschluss an der Netherlands Film and Television Academy in Amsterdam.

 

"Die filmische und dokumentarische Arbeit des niederländischen Filmemachers Frank Scheffer

ist mit der Musik des 20. Jahrhunderts aufs Engste verbunden. Sein unablässiges Befragen

der kinematographischen Mittel bei der oft diffizilen Begegnung von Musik und Bild hat die Möglichkeiten der filmischen Beschreibung und Umsetzung von Musik entscheidend erweitert.

In über 20 Jahren ist durch Scheffers filmische Arbeit eine musikalische Kartographie

entstanden, die Schlüsselfiguren wie Gustav Mahler, Arnold Schönberg, Igor Strawinsky, Elliott Carter, Edgard Varèse, John Cage, Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen, Luciano Berio, Brian Eno oder Frank Zappa ebenso umfasst wie die neuesten Entwicklungen der elektronischen Musik."

(Berno Odo Polzer und Andreas Lewin, Katalog Wien Modern 2007, www.wienmodern.at).

 

Zu seinen frühen Arbeiten zählen Filme wie ´Zoetrope People´ (1982), ein Dokumenarfilm über Francis Ford Coppola und sein Studio (mit Wim Wenders, Tom Waits, Vittorio Storraro u.a.) wie auch ein Dokumentarfilm über den Dalai Lama (zusammen mit der Performerin Marina Abramovic, die ihn mit dem Komponisten John Cage bekannt machte). 1985 realisierte er das Musikvideo

´A Day for the Band XYMOX´, das den Anfang seines Musikfilmschaffens markiert.

1987 entstand der kurze Experimentalfilm ´Wagner’s Ring´, eine kondensierte Fassung (3:50) von Richard Wagners Oper ´Der Ring des Nibelungen’, den er gemeinsam mit John Cage realisierte, sowie ´Stoperas I & II´, der zusammen mit Cages ‘Europeras 1 & 2’ zur Aufführung gelangte.  

Weitere Stationen der Zusammenarbeit mit John Cage: ´Chessfilmnoise´ (1988, Konzeptfilm), ´Time Is Music´ (1988, Dokumentarfilm über Cage und Elliott Carter) sowie ´From Zero´ (1995), entstanden in Zusammenarbeit mit dem Cage-Assistenten Andrew Culver.

 

Scheffers Filme über Musik widmen sich mehrheitlich den großen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Dazu zählen ´Conducting Mahler ´(1996) über das legendäre Mahler Festival 1995 in Amsterdam ´Five Orchestral Pieces´ (1994) über Arnold Schönbergs Werk ‘Fünf Orchesterstücke, op. 16’, dirigiert von Michael Gielen, und ´The Final Chorale´ (1990) über Igor Strawinskis ‘Symphonies d´instruments à vent ’, dirigiert von Reinbert de Leeuw.

 

Weitere wegweisende Filme dokumentieren das Werk des niederländischen Komponisten Louis Andriessen ´The Road, (1997), dirigiert von Peter Eötvös; Luciano Berios Sinfonie ´Voyage to Cythera´, (1999), die er selbst auch dirigierte; Pierre Boulez ´Éclat´ (1993) dirigiert von Ed Spanjaard sowie HELICOPTER STRING QUARTET (1996) von Karlheinz Stockhausen mit dem Arditti Streichquartett.

 

Die Geschichte der elektronischen Musik - von Stockhausen bis zu DJ Spooky und Squarepusher - thematisierte er in ´Sonic Acts´ (1998), gefolgt von drei experimentellen Pilotfilmen, die sich mit dem Einfluss des digitalen Mediums auf Film und Musik auseinandersetzten: ´Sonic Images´ (1998), ´Sonic Fragments/ The Poetics of Digital Fragmentation´ (1999) und ´Sonic Genetics´ (2000).

 

1999 realisierte Scheffer ´Music for Airports´, ein Ambient Video nach Brian Enos gleichnamiger Musik, arrangiert von den Bang on the Can-Gründern Julia Wolfe, Michael Gordon, David Lang und Evan Ziporyn. Umfassend und zugleich beeindruckend ist auch seine Arbeit ´In the Ocean´ (2001) über zeitgenössische New Yorker Komponisten wie Steve Reich, Philip Glass, Elliott Carter, John Cage, Brian Eno und den Gründern von Bang on a Can.

 

Mit ´Frank Zappa: The Present Day Composer Refuses to Die´ (2000) mit den Mothers of Invention, Pierre Boulez und dem Ensemble Modern sowie dem 90-minütigen Dokumentarfilm ´Frank Zappa: Phase II, The Big Note´ (2002) und ´Frank Zappa: A Pioneer of the Future of Music, Part 1&2´ legte er weitere maßgebliche Arbeiten vor.


Über 25 Jahre lang hat Scheffer den Komponisten Elliott Carter mit seinem Filmteam begleitet. Entstanden ist daraus der TV-Film ´A Labyrinth of Memory´ (2003) und das abendfüllende Filmportrait ´A Labyrinth of Time´ (2004).

2005 wurde sein abendfüllender Dokumentarfilm ´Tea´ nach der Oper ´Tea: A Mirror of Soul´ des zeitgenössischen chinesischen Komponisten im Museum of Modern Art in New York uraufgeführt. 2006 richtete das MOMA eine Retrospektive seiner Filme aus.

2009 wurde sein Film über Edgard Varèse (´Edgard Varèse: The One All Alone´) beim Filmfestival in Venedig uraufgeführt.

 

Mit GOZARAN - TIME PASSING, seinem neuesten Film über den iranischen Komponisten und Dirigenten Nader Mashayekhi, den wir in deutscher Erstaufführung zeigen, eröffnen wir am 10. April, 20 Uhr, den II. BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON.

Wir danken der Botschaft des Königreichs der Niederlande und EuroArts für ihre freundliche Unterstützung.

 

Gegenwärtig bereitet Frank Scheffer eine Trilogie über die Musik Syriens, der Türkei, Indiens und Chinas im Kontext der Philosophien Zarathustras, Konfuzius´ und Lao-Tses vor (u.a. mit dem Edgard Varèse-Schüler Chou Wen-chung). Er arbeitet außerdem an einem abendfüllenden Film über Mozarts ´Zauberflöte´ und an einem Film über die Parallelen in Leben und Werk von Gustav Mahler und Arnold Schönberg.

 

Zahlreiche Preise, Auszeichnungen und Retrospektiven (2001 Holland Festival, 2006 MOMA,

New York, 2007 Wien Modern, Mumbai/Indien).

 

 

Dienstag 10. April 2012                                                                     20.00 Uhr  / Eröffnung

 

GOZARAN - TIME PASSING (NL/D 2011)

Regie: Frank Scheffer

Mit: Nader Mashayekhi (Dirigat), Arvo Pärt,  MusikerInnen Teheran, Osnabrücker Jugendchor 

90 min., deutsche Erstaufführung

Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft des Königreichs der Niederlande

In Anwesenheit von Frank Scheffer


 

Mittwoch 11. April 2012                                                                                           20.30 Uhr

 

HELICOPTER STRING QUARTET (NL/D 1995)                            

Buch, Regie: Frank Scheffer

Musik: Karlheinz Stockhausen, Ausführende: Arditti String Quartet

73 min.

Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft des Königreichs der Niederlande

In Anwesenheit von Frank Scheffer 


 

Frank Scheffer über HELICOPTER STRING QUARTET

 

Die Dreharbeiten für den Stockhausen-Film fanden im Jahr 1995 zur selben Zeit wie das Mahler Festival in Amsterdam statt. Vormittags drehte ich die Zweite Symphonie von Mahler mit Bernard Haitink und danach fuhr ich mit dem Auto nach Den Haag, wo Stockhausen mit dem Arditti Quartett probte. Ich habe also in einer Stunde ein Jahrhundert übersprungen. Und ich wollte diesen totalen Kontrast haben. Beim Dreh von Mahler arbeiteten wir mit statischen und ästhetischen Einstellungen, am Nachmittag hingegen wollte ich mit der Kamera fliegen. (...) 

Als ich zu drehen begann, hatte es noch keine Aufführung dieses Stückes gegeben. Sie hatten eben erst mit den Proben begonnen. Die Frage war daher: "Was mache ich, wenn ich mit einem Thema konfrontiert bin, das ich nicht analysieren kann?" Was ist die Essenz, das Prinzip dieses Projektes? Stockhausen denkt an vier fliegende Hubschrauber mit jeweils einem Mitglied des Arditti String Quartet an Bord – dieser ganze Apparat, eine nahezu unmögliche Organisation, und man weiß nicht, ob es gelingen wird. Ich musste an diese Raketen denken, die abheben

und nach zwei Sekunden wieder auf die Erde stürzen. Das war also ein Film über das Abenteuer. Ich dachte daher, dass der Ansatz im Stil des Cinéma Vérité sein könnte, dass ich wie das Direct Cinema einfach beobachte, was passiert, sozusagen mit der Kamera fliege. Das war sehr aufregend..

Berno Odo Polzer und Andreas Lewin: "how to improve the world (you will only make matters worse)". Aus einem Interview mit Frank Scheffer, in: Katalog Wien Modern 2007, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, Saarbrücken: Pfau 2007, S. 27-33, Übersetzung aus dem Englischen von Friederike Kulcsar.

 

www.wienmodern.at

www.pfau-verlag.de

www.moderecords.com

www.eyefilm.nl

 

Filmografie 

 

2011  GOZARAN – TIME PASSING
  Hypnagogia – the borderland state (TV)
2009  Edgard Varèse: The One All Alone
2005 Tea 
  Streaming Past, Present Moments 
2004  Mahler: Ich bin der Welt abhanden gekommen
  A Labyrinth Of Time
  Quintet
2003  A Labyrinth Of Memory 
2002 Frank Zappa: Phase II - The Big Note
  Something Old Something New In Red Green And Blue
2001 In the Ocean
  Chessonic
  From Zero, the Installation
2000 Ring 2000
  Chromosonic
  Frank Zappa: The Present Day Composer Refuses To Die
1999
Voyage to Cythera 
  Epoxy
  Music For Airports
1998  Sonic Acts:From Stockhausen to Squarepusher
  Kontakte
  Touch
  Attrazione d´amore
1997 The Road
1996 HELICOPTER STRING QUARTET
  Conducting Mahler
1995 The Hidden Front
  From Zero, A Group Of Films / from zero, the documentary
1994 Five Orchestral Pieces
  Lent, vague, indecis
1993 De natuurlijke ruimte / The Nature Of Space
  Eclat 
1992 And the Eareye Seeshears
1991 Landscapestudies I & II
1990 The Final Chorale
1989 Obsession
1988 Études solares
1987 Wagner´s Ring
  Stoperas I & II
  Time Is Music
1985 A Day
1983-84 BGTV
1983  Avalokiteshvara (mit Marina Abramovic)

1982

Zoetrope People