II.BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON 10.-24. April 2012
 

 

   


Carlo Gesualdo da Venosa Fürst von Venosa und Komponist der Renaissance


Geb. um 1560 in Neapel; gest. 8.9.1613 ebd.

Gesualdo entstammte einer der ältesten und vornehmsten Familien Neapels. Er war der zweite Sohn von Don Fabrizio Gesualdo und Neffe des Erzbischos von Neapel, Alfonso Gesualdo. Beim Tod seines älteren Bruders Luigi (1585) erbte er Titel und dynastische Rechte und wurde regierender Fürst. Er erhielt eine musikalische Ausbildung auf einer der von seinem Vater in Venosa gegründeten Akademien (Accademia dei Piacevoli e dei Soavi, Scuola di Diritto, Accademia dei Rinascenti), der Künstler und Wissenschaftler nach Venosa geholt und der wirtschaftlich darbenden Stadt so zu einer kurzen Blüte von Kunst und Wissenschaft verholfen hatte. Nicht nur der flämische Komponist Giovanni de Macque (1551–1614) lebte am Hofe, sondern auch die Tonsetzer Bartolomeo Roy und Pomponio Nenna.

 

1586 heiratete Gesualdo seine Cousine Donna Maria d´Avalos, die er vier Jahre später zusammen mit ihrem Liebhaber, dem Herzog von Andria, ermordete. 1594 heiratete er ein zweites Mal, Eleonora d´Este, die Tochter des Herzogs von Ferrara, und lebte zwei Jahre an seinem Hofe. Auch Torquato Tasso, der Dichterfreund, dessen Lyrik Gesualdo vielfach vertonte, sowie die Komponisten Nicolò Vicentino und Luzzasco Luzzaschi lebten dort. In dieser Zeit entstand vermutlich ein Großteil seiner Kompositionen, vor allem die ersten vier Madrigalbücher. Danach zog er sich erneut auf Schloss Gesualdo zurück.

 

Das kompositorische Schaffen Gesualdos umfasst eine Reihe von geistlichen Werken, darunter die Responsorien zur Liturgie der Kartage und Motetten sowie sechs Bücher mit Madrigalen. Ein siebentes Madrigalbuch ist verschollen.

 

Zeitlich steht Gesualdo am Übergang der Renaissance zum Barock, wobei sein Stil stets der Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts verpflichtet bleibt. Kennzeichnend für den Kompositionsstil Gesualdos ist der häufige Einsatz von Chromatik und unerwarteten Tonartwechseln zwecks eindringlicherer Ausdeutung der Textvorlagen. Damit steht er in der Tradition anderer Madrigalisten wie Luca Marenzio und Claudio Monteverdi.

Gesualdos Werk wurde bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts von höfisch-akademischen Kreisen rezipiert, verschwand jedoch, als die neue Gattung der Oper ihren Siegeszug antrat.

 

Die Mordtat hat über die Jahrhunderte hinweg die Auseinandersetzung mit Gesualdos Leben und Werk bestimmt. In der barocken Tragödie ´Il tradimento per l'onore´ (1664) von Giacinto Andrea Cicognini werden die Stationen seines Lebens anhand einer fiktiven Personenkonstellation nacherzählt. Der zeitgenössische Komponist Salvatore Sciarrino komponierte 1996 eine Oper nach Cigogninis Tragödie (´Luci mie traditrici´- deutscher Titel: ´Die tödliche Blume´), legte 1998 mit ´Le voci sottovetro´ für Ensemble und Stimme eine Bearbeitung von Gesualdos Madrigalen vor und schuf 1999 eine Burleske in der Tradition des sizilianischen Puppentheaters (´Terribile e spaventosa storia del Principe da Venosa et della bella Maria´ für Mezzosopran, Saxophonquartett und Schlagzeug).

Weitere Bearbeitungen des Gesualdo-Stoffes für die Opernbühne stammen von Alfred Schnittke (Gesualdo, Oper in sieben Bildern, einem Prolog und einem Epilog, 1993), Franz Hummel (Gesualdo, Oper in zwei Akten, 1996) und Marc-André Dalbavie (Gesualdo, Oper in drei Akten, 2010).

 

1995 erschien Werner Herzogs TV-Film GESUALDO - TOD FÜR FÜNF STIMMEN

Mitwirkende: Mit Milva, Pasquale D'Onofrio, Salvatore Catorano, Angelo Carrabs, Angelo Michele Torriello, Raffaele Virocolo, Vincenzo Giusto, Giovanni Iudica, Walter Beloch, Principe D'Avalos, Antonio Massa, Alan Curtis, Gennaro Miccio, Silvano Milli, Marisa Milli, Gerald Place, Alberto Lanini, Complesso Barocco unter der Leitung von Alan Curtis , Gesualdo Consort of London unter Leitung von Gerald Place

 

Donnerstag 12. April 2012                                                                                     18.00 Uhr

 

GESUALDO - TOD FÜR FÜNF STIMMEN (D 1995)                            

Buch, Regie, Sprecher: Werner Herzog

Musik: Gesualdo

Mit: Milva, Complesso Barocco (Lt. Alan Curtis),

Gesualdo Consort of London (Lt. Gerald Place) u.a.

60 min.


 

Literatur

 

Annibale Cogliano: Carlo Gesualdo, omicida fra storia e mito, Edizioni scientifiche italiane, 2006

Helmut Krausser: Melodien oder Nachträge zum quecksilbernen Zeitalter, Rowohlt Verlag, 3. Aufl. 2002

Glenn Watkins: Carlo Gesualdo da Venosa. Leben und Werk eines fürstlichen Komponisten, Übersetzung: Stephan Kuhlmann, Hg.: Verena von der Heyden-Rynsch, Matthes & Seitz, 2000

Glenn Watkins: Carlo Gesualdo, Prince of Venosa, Clarendon Press, 1973 (Vorwort von Igor Stravinsky), Neu ed. 1991

László Passuth: Madrigal. Roman um Carlo Gesualdo, VEB Deutscher Verlag für Musik, 1971

George Ruffin Marshall:The harmonic laws in the madrigals of Carlo Gesualdo, New York University, 1955

Cecil Gray/Philip Heseltine: Carlo Gesualdo: Prince of Venosa, Musician and Murderer, 1926. Greenwood Pub Group Inc, Auflage: New ed of 1926 ed (Juni 1971)