II.BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON 10.-24. April 2012

Stahl - Thema mit Variationen

  

 

Hugo Niebeling   Sprecher, Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Choreografie, Produzent,

                        Produktionsleitung

 

Hugo Niebeling ist einer der bedeutendsten Erneuerer des Wirtschafts- und Industriefilms sowie des Musik- und Ballettfilms.

Die künstlerisch hochkarätigen Ergebnisse seiner Zusammenarbeit mit dem Pianisten und Trautonium-Komponisten Oskar Sala im Bereich des Industrie- & Experimentalfilms werden oftmals in Beziehung gebracht mit dem anderen Künstlergespann des frühen Industrie- & Experimentalfilms: Edgar Reitz und Josef Anton Riedl (Musik).

 

Geb. 2. Februar 1931 in Düsseldorf. Bereits in frühen Jahren nach 1945 Auseinandersetzung mit moderner Kunst, klassischer Musik und Theater. Er wollte Schauspieler werden, musste aber zunächst eine kaufmännische Ausbildung beim Düsseldorfer Mannesmann-Konzern absolvieren. Neben seiner Ausbildung nahm er privaten Schauspielunterricht bei dem Schauspieler des Düsseldorfer Schauspielehauses, Otto Ströhlin. Niebelings Vorbild war Gustaf Gründgens. Nach einem kurzen Intermezzo als Schauspieler am Augsburger Theater wechselte Niebeling ins Regie-Fach.

1957 drehte er im Auftrag des Mannesmann-Konzerns seinen ersten Film, den Industriefilm „Stählerne Adern“. Für sein Erstlingswerk, das stark von Walter Ruttmann (”Berlin. Die Sinfonie einer Großstadt”, ”Acciaio”, ”Henkel” u.a.), inspiriert ist, erhielt er den Bundesfilmpreis in Gold. 1962 schuf er den Oscar-nominierten und mit zahlreichen

Filmpreisen ausgezeichneten Dokumentar- und Industriefilm ”Alvorada – Aufbruch in Brasilien”. Dieser künstlerisch anspruchsvolle Film besticht nicht zuletzt durch eine völlig neuartige Anwendung des Bildschnitts und durch synchron zum Bildschnitt angelegte Klangkollagen, die von Oskar Sala entwickelt wurden. Es folgten zahlreiche weitere Wirtschafts- und Industriefilme – so etwa der 1965 für die Bochumer Aral AG produzierte Film „Petrol, Carburant, Kraftstoff“ als dem am meisten prämierten Wirtschaftsfilm überhaupt. Aber

auch im Genre des Musik- bzw. Tanzfilms war und ist Niebeling mit großem und anhaltendem Erfolg aktiv. 1967 führte er Regie in Beethovens „Pastorale“ mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Herbert von Karajan. 1972 folgte die Inszenierung der „Eroica“, die den Stardirigenten und die Philharmoniker bei der Aufführung von Beethovens 3. Sinfonie zeigen. Mit beiden Aufzeichnungen revolutionierte Hugo Niebeling, der wohl ungewöhnlichste Filmkünstler der Bundesrepublik, die Technik und Bildsprache von Konzertaufnahmen

in dem damals noch jungen Medium Fernsehen.

 

Seit Anfang der 1970er Jahre arbeitete er häufig in New York und realisierte dort vor

allem Ballettfilme zusammen mit dem Choreographen George Balanchine. Auch für seine herausragenden Ballett- und Musikfilme erhielt Niebeling zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen. Ein weiterer und seit zwei Jahrzehnten anhaltender Publikumserfolg gelang Niebeling mit der Verfilmung der Bachschen „Johannespassion“ als Spielfilm, den er 1990 im Speyerer Dom verwirklichen konnte – nach der Original-Tonaufnahme des Bachdirigenten Karl Richter aus dem Jahre 1964. Die ”Johannespassion” wird am Karfreitag 2012 um 20.15 Uhr vom Bayerischen Rundfunk auf BR-alpha ausgestrahlt.

 

Danch befragt, was Kunst sei, antwortet Hugo Niebeling: ”Verdichtetes Leben, in eine Form gebracht.” (siehe www.jb-z.de )

 

 

Filmografie

 

2009
Eroica (Rekonstruktion)
1996Das Zauberbuch (Choreografie)
1993Die Klage der Ariadne (Buch, Regie, Schnitt) 
1989-91Johannespassion: ”Es wäre gut, daß ein Mensch würde umbracht für das Volk” (Buch, Regie, Schnitt)
1986So schließt sich der Kreis, 100 Jahre Berufsgenossenschaft (BG Chemie)
1982/83Der Auftrag der uns bleibt (Bayer AG) 
1973/74Violin concerto (Buch, Regie, Schnitt)
1970Percussion for six 
1969Allegro (Buch, Regie, Kamera, Schnitt) Aral AG
1968 Ludwig van Beethoven – Sinfonie Nr. 6 in F-Dur, Pastorale (TV)
1967
MIT LICHT SCHREIBEN (Agfa-Gevaert)
1966Giselle  (Buch, Regie, Schnitt)
1965Kraftstoff (Buch, Regie, Schnitt
1964/65Petrol, Carburant, Kraftstoff (Aral AG) 
1961/62Alvorada - Aufbruch in Brasilien (Buch, Regie, Sprecher, Schnitt, Produzent)
1960Vom Bau des Reaktor - Druckgefäße Kahl
 STAHL – THEMA MIT VARIATIONEN
1957Frohe Farben, Gute Laune (BASF/Bavaria Film)
1956Stählerne Adern, Lebensadern unserer Zeit

    

Preise und Auszeichnungen

 

Stählerne Adern (1956)

Bundesfilmpreis 1957, Filmband in Gold, Kategorie: Bester abendfüllender Kultur- und Dokumentarfilm (Mannesmann AG)

 

STAHL – THEMA MIT VARIATIONEN (1960)

Bundesfilmpreis 1961, Filmband in Gold, Kategorie: Bester Kurzfilm (Mannesmann AG), Grand Prix, Internationales Industriefilmfestival, Rouen 1960, Grand Prix in Gold als „Bester Industriefilm der vergangenen 40 Jahre“, Industriefilm-Festival, Kassel 1997(Documenta)

 

Alvorada – Aufbruch in Brasilien (1962)

Zwei Bundesfilmpreise, Filmbänder in Gold 1963, Kategorie: Bester Regisseur (Hugo Niebeling), Kategorie: Bester abendfüllender Kultur- und Dokumentarfilm (Mannesmann AG), Oscar Nomination 1963 in der Kategorie: „Dokumentarfilm (Langform)“ (Feature), Bundesdeutscher Beitrag für die Filmfestspiele von Cannes 1963, weitere Preise auf Filmfestivals, unter anderem in Edinburgh und Cork

 

Petrol, Carburant, Kraftstoff (1964/65)

Bundes-Filmprämie 1965 als „Film von Internationalem Rang“, Bundesdeutscher Beitrag für die Internationalen Filmfestspiele von Cannes 1965, Goldmedaille „Best Public relations Film“, Internationales Filmfestival in Cork 1965, „Diploma of Merit“, Internationale Film Festspiele Edinburgh 1965, „Diploma d’Onore“, Internationales Filmfestival von Locarno 1965, „Beste Industriefilm-Regie“, Preis der photokina, Köln 1966, Erster Preis der Kategorie „Kulturfilme“, Internationales Film-Festival Vancouver 1966, Erster Preis beim Internationalen Festival für motorsportliche Filme, Karlsbad 1966 , Prämiert beim Deutschen Industriefilm-Forum, Düsseldorf 1966, „künstlerisch wertvollster Film“, Internationales Kurzfilm-Festival, Buenos Aires 1967

Diplom der Wirtschaftsfilmtage, Linz 1967, Erster Preis „Informationsfilme“, Internationale Festspiele für technische Filme, Budapest 1967, Grand Prix, Internationale Film-Festspiele von Australien, Melbourne 1967

 

MIT LICHT SCHREIBEN (1967)

Kulturfilmprämie, Internationaler Rang, 1967, Deutscher Industriefilmpreis 1968

 

Allegro (1969/70)

Prädikat „Besonders Wertvoll“, Filmbewertungsstelle Wiesbaden 1969 , Kurzfilmpreis Buenos Aires, 1971

 

Der Auftrag der uns bleibt (1982/83)

Prädikat „Besonders Wertvoll“, Filmbewertungsstelle Wiesbaden, Wirtschaftsfilmpreis 1984

 

So schließt sich der Kreis, 100 Jahre Berufsgenossenschaft (1986)

Dieser sozialpolitisch orientierte Film beendet Niebelings Arbeit für den Wirtschafts- und Industriefilm.

 

Giselle (1969) Ballettspielfilm

„Besonders Wertvoll“, Filmbewertungsstelle Wiesbaden, Grand Prix, Menton 1971

 

Percussion for six (1970) Ballettfilm

Regiepreis, Menton 1971

 

Violin concerto (1973/74) Ballettfilm

Bundesfilmpreis, Filmband in Gold 1974, Kategorie: Bester Kurzfilm, (Continental Film), „Besonders Wertvoll“, Filmbewertungsstelle Wiesbaden, Grand Prix, Besançon 1974

 

Duo Concertant (1974) Ballettfilm

Grand Prix, Besançon 1975

 

Serenade (1974) Ballettfilm

Preis des Publikums, Besançon 1975



Leseempfehlung

 

Joachim Thommes: „In jeden dieser Filme wollte ich Kunst reinbringen, soviel ich nur konnte.“ Hugo Niebeling, die Mannesmann-Filmproduktion und der bundesdeutsche Wirtschaftsfilm 1947-1987, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8370-8257-9 www.jb-z.de

Hans Emons: Für Auge und Ohr: Musik als Film, Verlag Frank & Trimme, Berlin 2005