II.BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON 10.-24. April 2012

 

Josef Anton Riedl  Komponist

 

Der Münchner Josef Anton Riedl gilt international als einer der herausragendsten Komponisten experimenteller Musik jenseits herkömmlicher Formen und Gattungen. Seit 1952 widmet er

sich einer Lautpoesie, die Texte zu reinen Lautfolgen „ent-semantisiert“. Er komponierte visuelle Musik und Multimedia-Ereignisse, z.B. zur Olympiade 1972 in München, und initiierte und leitete zahlreiche wegweisende Veranstaltungsreihen zu Neuer Musik.


Geb. 11. Juni mutmaßlich 1929 in München.

 

His early life in Germany was complicated by his mother's Jewish heritage; nonetheless he was drafted very late into the Second World War, around 1944, only to be taken prisoner by Allied

forces and held in a POW camp in France until 1947.

 

Rückkehr nach Murnau 1947. Nach einem Studium an der Münchner Musikhochschule bei

Carl Orff und Kursen bei Hermann Scherchen in Gravesano widmete sich Riedl als Komponist besonders dem Schlagwerk. 1950 Mitbegründer der deutschen Sektion der Jeunesses Musicales.

 

Riedl was inspired by Edgard Varèse's ´Ionisation´ toward composing solely for percussion, in which he was encouraged by Carl Orff, but this tack was derailed by his discovery of Pierre Schaeffer's musique concrète in 1951. Riedl worked with that composer's ´Groupe de Recherches Musicales´ in Paris.

 

Auf Empfehlung von Carl Orff und im Auftrag der Siemens-Schuckertwerke AG entwickelte

Riedl von 1956-1959  ein Equipment zur Erzeugung und Verarbeitung elektronischer Klänge und Geräusche zwecks Vertonung eines abendfüllenden experimentellen Industriefilms für Siemens (´Impuls unserer Zeit´, Regie: Otto Martini, 1959, ausgezeichnet mit dem Deutschen

Filmpreis - Filmband in Gold - 1960).   

 

oktober 1956 wurde eine arbeitsgruppe des zentrallaboratoriums unter leitung von alexander schaaf, unter mitarbeit von helmut klein, hans joachim neumann u. a. mit dem aufbau der apparatur im elektroakustischen labor von alexander schaaf in gauting bei münchen beauftragt

und auf empfehlung von carl orff zur musikalischen beratung josef anton riedl herangezogen

und mit der komposition der musik zum film betraut. zuvor befaßte sich alexander schaaf mit

der entwicklung eines lautsprechersystems, helmut klein mit der entwicklung eines in der bundesrepublik ersten umfassenden gerätes zur herstellung synthetischer sprache (vocoder)

bei siemens, hans joachim neumann theoretisch (promotionsarbeit) mit glockenspektren und josef anton riedl seit anfang der 50er jahre mit konkreter und elektronischer musik. (...)

nach verschiedenen musikalischen erprobungen der apparatur bereits seit 1956 und im zusammenhang mit vorläufig fertiggestellten abschnitten des filmes ab 1957 erfolgte von frühjahr 1959 an für den film die eigentliche komposition der musik - elektronische klanggestaltung - und ihre technische realisierung sowie im gleichen jahr oktober seine uraufführung.

zur veröffentlichung kam nun (bezüglich der parameter dauer, tonhöhe, farbe und lautstärke) lochstreifengesteuerte elektronische musik, die bis zu diesem zeitpunkt noch nicht gehört werden konnte.

die praktische bewährung der apparatur, der erfolg des filmes bei publikum und presse sowie durch die verleihung von auszeichnungen und preisen (drehbuch, regie, kamera, schnitt und musik) und das jetzt auftretende interesse von komponisten, insbesondere aber von film-, theater- und hörspielregisseuren, mit dieser apparatur hergestellte elektronische musik zu verwenden, sowie

die anregung von carl orff, josef anton riedl, alexander schaaf, helmut klein u. a. bei der leitung von siemens, ein studio für elektronische musik zu gründen und zu unterhalten, veranlaßten die firma, dies noch 1959 zu tun.

 

1959 erfolgte die Gründung des Siemens-Studios für Elektronische Musik München, dessen künstlerische Leitung Josef Anton Riedl bis zur Auflösung des Studios 1966 innehatte.


oktober 1963 übergab siemens das studio der geschwister-scholl-stiftung. später umfaßte das team des studios alexander schaaf (technischer leiter), helmut klein (entwicklungsingenieur), rudolf heinrich (technischer praktikant), hansjörg wicha (tonmeister), gerda sommerfeld (tontechnikerin), martin wöhr (tontechnischer praktikant), josef anton riedl (künstlerischer leiter) u. a., und die räumlichkeiten beliefen sich auf 8, regie-, maschinen-, büro- und entwicklungsraum, raum für sprachaufnahmen, raum für vokal- und instrumentalmusikaufnahmen sowie 2 räume zum lagern von geräten.

ab april 1965 gehörte dem studio eine abteilung psychophysik des hörens an, in der volker rahlfs untersuchungen durchführte. ende 1966 geschah die auflösung der geschwister-scholl-stiftung, die ihren sitz in ulm hatte, und damit die einstellung der arbeit ihrer einrichtungen, hochschule für gestaltung/ulm (u. a. Ieitung max bill) und institut für industrielle formgebung/ulm (leitung gugelot) sowie studio für elektronische musik münchen. die zur stiftung ebenfalls gehörende abteilung für film/ulm (leitung alexander kluge und edgar reitz) konnte gerettet werden. es gelang, sie rechtzeitig in einen e. v. institut für filmgestaltung umzuwandeln. das institut übernahm die gerätschaft des studios, deren für filmarbeit geeignete teile dann kurze zeit noch in betrieb waren. (…)

nachdem das studio über 25 jahre unbenutzt und nahezu vergessen in ulm gestanden hatte, wurde es sommer 1993 vom institut für filmgestaltung dem deutschen museum/münchen übergeben und in seinen sammlungsbestand aufgenommen. die wichtigsten geräte, die des regie- und maschinenraumes, sind dort seit beginn mai 1994 als zusammenhängendes equipment in der neu gestalteten halle für elektronische musikinstrumente und musik-akustik jetzt stets zu sehen.
 

Josef Anton Riedl: Siemens-Studio für Elektronische Musik, in: Klang-Forschung ´98 www.accSone.com  

www.deutsches-museum.de

 

Mit Stefan Meuschel filmische Dokumentation über elektronische Musik verschiedener europäischer Studios für Kino und Fernsehen (1966/67). Von 1960-2009 leitete er die von

ihm initiierte Veranstaltungsreihe ´Neue Musik München- Klang-Aktionen´ (Konzerte, Ausstellungen, Projekte für Kinder, Laien, Körperbehinderte) sowie die Veranstaltungsreihen ´Neuer Film und Jazz´ (seit 1960) und ´Traditionelle Außereuropäische Musik´ (seit 1972). Herausgabe der Heftreihen ´Neue Musik´ und ´Neuer Film´.
1974 gründete er das ´Kultur Forum´ und die ´Tage Neuer Musik´ der Stadt Bonn, die er bis 1982 leitete.
Von 1998-2011 war er programmierend und organisierend für ´musica viva´ München tätig.
Vielfache Zusammenarbeit mit Film- und Theaterregisseuren, darunter Jan Lenica, Vlado Kristl, Edgar Reitz, Alexander Kluge, Peider A. Defilla, Fritz Kortner, Franz Xaver Kroetz ; mit bildenden Künstlern, Architekten und Schriftstellern (Paolo Nestler, Werner Ruhnau, Michael Lentz u.a.).

 

Mit der von ihm gegründeten Gruppe ´Musik/Film/Dia/Licht-Galerie´ realisierte er ab 1967 Multimediakompositionen (´Klang/Licht/Duft-Spiele´), audiovisuelle Environments (´Metallophonic Raum - Klangwerkstatt´,´Klangleuchtlabyrinth – Tropfenabläufe/Verspannung´, ´Klang-Exkursion´ für in der Natur gefundene Materialien), Events (´Douce Amère´), Filmaufführungen mit Live-Musik (GESCHWINDIGKEIT ,´Un chien andalou´), Konzerte mit Synthesizer-Ensemble und selbstgebautem Instrumentarium (´Paper Music I, II, III´, ´Glas-Spiele´, ´wu-tk ar; sala zt astal-tkarbu´), für Schlagzeug: ´Anspielung´, für Gitarrenquintett: ´hängenbleiben, sich drehen, mahlen, (durch)hecheln, Geäst´; für Klavier: ´Ausfluss, Niederschlag, Spur, Nachhall´ sowie vokale & instrumentale Lautgedichte unter Einbeziehung von Filmen: ´Lautgedichtfolgen d), e), f), g)´, ´vollicht aust es sa, I, II, III´, ; elektroakustische Musik]); Ausstellungen (´Paper Music I´, ´Optische´, ´Akustische Lautgedichte´), Installationen (´Josef Anton Riedl – Multi Media, Neue Instrumentarien, Lautmusik´), Projekte für Kinder und Laien.

Teilnahme an allen wichtigen in- und ausländischen Festivals (Athen, Bangkok, Barcelona, Berlin, Bern, Bonn, Bourges, Buenos Aires, Bremen, Brüssel, Como, Donaueschingen, Florenz, Frankfurt, Graz, Hannover, Kalkutta, Kassel/documenta, Kiel, Köln, Lille, Lissabon, London, Lugano, Madrid, Mailand, Manila, Metz, Mexico City, Montepulciano, Montevideo, Montréal/EXPO, München/Olympische Spiele, Nürnberg, Orléans, Pamplona, Paris, Puerto Rico, Eennes, Rio de Janeiro, Rom, Santiago, São Paulo, Venedig/Biennale, Warschau, Zagreb).


 

Mittwoch 18. April 2012                                                                                          20.30 Uhr

  

KI-NO (BRD 1963-67)

Nachtmusik für Projektoren und Hörer von Dieter Schnebel

45 min.

digitale Fassung produziert durch das ZKM - Zentrum für Kunst und Medientechnologie

vorgestellt von Dieter Schnebel


Industrie- & Experimentalfilme von Edgar Reitz
KOMMUNIKATION (BRD 1961) 

Buch, Regie: Edgar Reitz

Musik: Josef Anton Riedl

11 min., s/w, 35 mm

 

GESCHWINDIGKEIT (BRD 1962)

Buch, Regie: Edgar Reitz

Musik: Josef Anton Riedl

13 min., s/w, 35 mm

 

BAUMWOLLE (BRD 1959/60)

Buch, Regie: Edgar Reitz

Musik: Josef Anton Riedl

32 min., s/w, 35 mm

vorgestellt von Dieter Schnebel 

 



Filmografie (Auswahl)

 

2001

Auf der Suche nach noch nie gehörten Klängen (Buch, Regie: Uli Aumüller)

Komponist: Josef Anton Riedl Hanspeter Kyburz Luigi Ceccarelli Hans Tutschku,

Luigi Ceccarelli, Hans Tutschku, Josef Anton Riedl, Hans Tutschku, Luigi Ceccarelli, Hanspeter Kyburz

Musik Mischtonmeister: Georg Morawietz

1980 Le chien andalou (Regie: Luis Bunuel) Live-Musik
1970 Adam 2 (Buch, Regie: Jan Lenica)
1969 Der Sturm (Buch, Regie: Fritz Kortner) TV
1968  100 Blatt Schreibblock (Regie: Vlado Kristl)
1965Die Utopen, Sekundenfilme (Regie: Vlado Kristl, Alexander Kluge)
 Varia Vision, auch bekannt als: Varia Vision. Unendliche Fahrt - aber begrenzt. Ein Film von Reitz/Kluge/Nestler im Auftrag der Internationalen Verkehrsausstellung München.
 Binnenschiffahrt (Buch, Regie: Edgar Reitz)
1963 Leonce und Lena (Regie: Fritz Kortner) TV
 GESCHWINDIGKEIT - KINO EINS (Buch, Regie: Edgar Reitz)
1962KOMMUNIKATION - TECHNIK DER VERSTÄNDIGUNG (Buch, Regie: Edgar Reitz)
 Post und Technik (Buch, Regie: Edgar Reitz)
1960 Yucatan (Buch, Regie: Edgar Reitz)
1959 BAUMWOLLE (Buch, Regie: Edgar Reitz)
 

Impuls unserer Zeit

Regie: Otto Martini, Buch: Ferdinand Khittl, Frank Leberecht

Musikberatung: Carl Orff

Elektronische Klanggestaltung: Josef Anton Riedl

Deutscher Filmpreis 1960 Filmband in Gold, Bester abendfüllender Dokumentarfilm

Uraufführung: 16.10.1959, München, Film-Casino

  


ed RZ 1020-21 2CD
Josef Anton Riedl: Klangregionen 1951 - 2007

Siemens-Studio für elektronische Musik, Studio für konkrete Musik (J. A. Riedl)

 

CD 1

Paper Music I 1961/70

aus Folge von 4 Studien: Studie 59 I 1959

Zeichnen - Klatschen/Zeichnen - Zeichnen 1979/81 

aus Landschaftsbeschreibung I 1973 

Mix Fontana Mix 1974/76/79 

aus Silphium Metallophonic 1969/70

aus Lautgedichtfolge g) 1977/79/98

Ausfluss, Niederschlag, Spur, Nachhall I 2000/02/07

Douce-Amère 1972/74/81

Komposition Nr. 2 1963/65

Polygonum 1968/70

aus Leonce und Lena 1963/64

Vielleicht - Duo 1963/68/70

Musique Concrète - Studie II 1951/59

Musique Concrète - Studie I 1951/59

Leonce und Lena b 1963

aus Folge von 4 Studien: Studie 62 I 1962

aus Folge von 4 Studien: Studie 62 II 1962


CD 2

Komposition Nr. 3 1965/67

Ideir notna fesoj Radiophonisches Porträt von Helmut Rohm 1996

aus Folge von 4 Studien: Studie 61 I 1961

Klangsynchronie I Studie 59 1981

Elektronische Musik - Studie II 1959

Elektronische Musik - Studie I 1958

 

www.edition-rz.de