II.BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON 10.-24. April 2012
         

 

 

Tehran Symphony Orchestra

 

 

 

Nader Mashayekhi Komponist und Dirigent

 

Es gibt zumindest einen Punkt, an dem westliche Avantgarde und persische Musik zusammenkommen, und das bin ich (Nader Mashayekhi)

 

Geb. 26.11.1958 in Teheran und aufgewqchsen in einer Schauspielerfamilie. Interessierte

sich früh für Malerei, Musik, Film, Theater, Bildende Kunst und Literatur. Am Konservatorium Teheran erhielt er Klavier- und Tonsatzunterricht. Ab 1978 – noch vor der iranischen Revolution – Aufnahme eines Musikstudiums ((Komposition, Dirigat, elektronische Musik)) in Wien an der Universität für Musik und darstellende Kunst. Komposition studierte er u.a. bei Roman Haubenstock-Ramati (bis 1987), Dirigat bei Richard Österreicher und elektroakustische Komposition bei Dieter Kaufmann.

 

1989 gründete er das „Ensemble Wien 2001“ (heute: „Ensemble Wien 21. Jahrhundert“), dessen Programme mit der Konfrontation von historischen, traditionellen und avanciert zeitgenössischen musikalischen Werken er maßgeblich mitgestaltete. Mit bildenden und Video-Künstlern arbeitete Mashayekhi u.a. in „exposé“ für Ensemble mit Video-Projektionen (1993) zusammen oder in dem Multi-Media-Opernprojekt „Malakut“ (Andrea Zschunke, nach einer Novelle von Bahrem Sadeghi, 1993/97; UA Wien 1997).

Seit dem Streichquartett „1+eine nacht“ (1995) bezieht Mashayekhi auch stilisierte persische Schriftzeichen in seine kalligraphischen Notationen ein.

Seine umfassende Beschäftigung mit Computer- und Videoinstallationen gipfelte in der Komposition der Multimediaoper „Malakut“, einer Produktion, die im Herbst 1997 im Rahmen des Festivals „Wien modern“ uraufgeführt wurde. Der Komponist setzte sich in den letzten Jahren zunehmend mit persischem Kulturgut auseinander, beispielweise in seinen Liedern nach Texten der persischen Dichterin Forugh Farrochsad, sowie in seinen Kompositionen „fié ma fié I-III“ und moulana.

Mashayekhis Werke werden regelmäßig von nahmhaften Solisten und Ensembles aufgeführt, so u. a. von Aurèle Nicolet, Jean-Pierre Rampal, Robert Aitken, durch das Klangforum Wien (1992-1995), Münchner Rundfunkorchester (1997), Radio-Symphonieorchester Wien (1998), Ensemble Cantus und Ensemble Zwischentöne Berlin (1997/98/99/2000).

 

Von März 2006 bis zu seiner Entlassung durch das iranische Ministerium für Kultur und islamische Führung im Juli 2007 war Nader Mashayekhi Chefdirigent des Teheraner Symphony Orchesters. 2007 gründete er das Junge Philharmonische Orchester Teheran. Gleichzeitig führte Mashayekhi zeitgenössische westliche Komponisten wie John Cage, Arvo Pärt, Morton Feldman und Frank Zappa in Irans Musikleben ein und spielte Werke von Bach und Gustav Mahler. Seine Bemühungen, das Orchester zu modernisieren, führten zu Auseinandersetzungen und Kämpfen mit der iranischen Regierung, die Frank Scheffer in seinem so bewegenden wie eindringlichen Portrait GOZARAN – TIME PASSING dokumentierte.

 

Nader Mashayekhi versuchte, dem iranischen Publikum westliche Musik nahezubringen. 2006 gab er mit dem Orchester mit Werken persischer Komponisten, Beethovens und Frank Zappas ein Gastkonzert beim Morgenland Festival in Osnabrück und trat mit seinem Kammerensemble, der Tehran Sinfonietta, auf Einladung von Daniel Bahrenboim an der Staatsoper Berlin sowie auf Schloß Neuhardenberg auf.
Nach seiner Entlassung im Juni 2007 durch das Ministerium kehrte Mashayekhi nach Wien zurück – ein Komponist im Exil.


 

Werke  (Auswahl)

 

exposé“ - für Ensemble und Videoprojektion

1 + eine nacht“ - Streichquartett

fié ma fié I-III“ für persischen Gesang und Orchester (erschienen 2009 auf CD).

"Malakut" – Multimedia-Oper nach der gleichnamigen Erzählung des persischen Schriftstellers Bahram Sadeghi.

Neda“ - Märchenoper, in Osnabrück 2010 uraufgeführt. Der Titel bezieht sich indirekt auf die „grüne Revolution“ von 2009, als die Studentin Neda im Juni 2009 bei einer Demonstration in Teheran erschossen wurde und deren Ermordung binnen Minuten per Internet weltweit bekannt wurde.

Irdische Offenbarung“ - Vertonung des gleichnamigen Gedichts von on Forugh Farrochsad, einer der meistgelesenen Autorinnen der modernen persischen Literatur. Uraufführung 2011 bei den Hamburger Klangwerktagen.