II.BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON 10.-24. April 2012
 

 

 

   

Peter Zinovieff  Komponist, Erfinder


Geb. 26. Januar 1933 in London. Sohn russischer Aristokraten, die 1917 nach England flohen. Schulausbildung in Sussex . Geolgiestudium und Promotion an der Oxford University. In den 60er Jahren gründete Zinovieff die Firma Unit Delta Plus, die in Putney, im Südwesten Londons, in einem Schuppen neben seinem Haus, angesiedelt war. Unit Delta Plus war das erste Unternehmen, das transportable modulare Analog-Synthesizer baute und mit dem inzwischen legendären VCS3 Musik- und Technikgeschichte schrieb. Gruppen wie Roxy Music, White Noise, Pink Floyd, Kraftwerk, David Bowie machten sich diese Technik zunutze.

Von 1966-1967 betrieben Zinovieff, Delia Derbyshire und Brian Hodgson die Firma im Kollektiv

1969 gründete Peter Zinovieff zusammen mit David Cockerell und Tristram Cary die Electronic Music Studios (London) Ltd. zur Vermarktung innovativer Musikkonzepte und Computertechnologien. Über ein Jahrzehnt lang entwickelte und produzierte EMS zahlreiche wegweisende Instrumentarien, deren Wirkungsgeschichte noch heute andauert.

 

EMS did succeed in manufacturing its synthesizer for just £330 making it considereably cheaper than its main competition, The Mininmoog. In 1971 EMS developed its first large-scale modular synthesiser, the “Synthi 100″, and the Synthi A which was built into a compact Spartanite attaché case and retailed for just £198. The next year EMS released an expanded version, the Synthi AKS, which featured a small blue capacitive touch sensitive keyboard built into the lid, and a sequencer. This revolutionary bit of kit retailed for just £420. The Synthi AKS was hugely popular with artists like Eno, Pink Floyd and Jean-Michel Jarre. Probably one of its best-known appearances was on record is the track “On The Run” from Pink Floyd’s The Dark Side of the Moon.”

 

Peter Zinovieff komponierte in den vergangenen Jahren im Auftrag von Thyssen-Bornemisza Art Contemporary das Werk "Bridges from Somewhere and Another to Somewhere Else", das im Mai 2011 in Istanbul uraufgeführt wurde. An der Umsetzung war das Elektronikstudio der University of York wesentlich beteiligt. “´Bridges from Somewhere and Another to Somewhere Else´ is a set of contrasted electronic music pieces with impossible derivations from memories of classical music and textures of real sounds. The ´Bridge to Somewhere Else´ uses multiple fragments from some of Béla Bartók’s recordings of Turkish folk music. In all the sections similar but wild electronic computer distortion techniques are used to glue them into a single multispatial work. The MRC Team developed software for Dr Zinovieff based on some of his ideas that weren't technically viable in the 1970s. They developed a real-time, multi-rate spectral filter bank, linked to a preset interpolation system (Spectrum Interpolator), and bespoke spectral time stretching and pitch glissando tools. They also worked with Dr Zinovieff to spatialise his piece on The Morning Line.” (Music Research Center – Department of Music, The University of York, www.york.ac.uk)

 

Ich hatte das erste Computer-Musikstudio überhaupt, und ich erfand die ersten europäischen Synthesizer. Der berühmteste war der VCS3, der von einer Reihe bekannter Popbands benutzt wurde. Wir haben in diesem unglaublichen Studio von Unit Delta Plus die moderne Musik erfunden. Ich glaube, ich war der erste, der zu Hause einen privaten Computer besaß - länger als jeder andere auf dieser Welt. Nicht schlecht, was?

Ich bin ausgebildeter Geologe, und es war schwer, Geologe zu sein und zugleich verheiratet mit einer wohlhabenden Frau. So beschloss ich, mit Musik zu experimentieren. Ich fühlte mich schon immer ein wenig als Musiker und hatte die Mittel, in ein Studio zu investieren, das dann weltberühmt werden sollte.

Benutzt haben diese Computertechnik u.a. Gruppen wie The Who, Pink Floyd, David Bowie, Kraftwerk, Deep Purple, Jean Michel Jarre, Brian Eno, King Crimson. Sie kamen alle, und da gibt es noch ein Poster von Paul McCartney und mir bei einem Rave. Das war der erste echte Rave. Alle Sekretärinnen fielen in Ohnmacht, wenn sie ihn sahen.

Ich habe auch den Sampler erfunden. Das lag daran, dass die damaligen Computer aus heutiger Sicht nur winzige Datenmengen speichern konnten, weniger, als auf einen heutigen USB-Stick passt. Mein Computer hatte einen 4 K Speicher und konnte etwa 1 Sekunde samplen. Das war in den 19060ern. Ich hatte einen Ingenieur namens David Cockerell, heute bekannt als der beste Elektronikmusikingenieur und Programmierer aller Zeiten. Er arbeitete später für AKAI und entwickelte die Samplingmethode weiter. Er konnte alles umsetzen, was es an Ideen gab. Das ist wahrer Luxus.“ (Peter Zinovieff, 2010, Auszug aus seiner Red Bull Lecture)

 

 

Montag 16. April 2012                                                                                             18.00 Uhr

 

WHAT THE FUTURE SOUNDED LIKE (Australien 2006)

Buch, Regie: Matthew Bate
Mit:
Peter Zinovieff, Tristram Cary
, David Cockerell

27 min. Digibeta, OF, deutsche Erstaufführung

Einführung & Diskussion: Wolfgang Seidel

 

 

 

 



Filme

 

1992The Offence (Regie: Sidney Lumet), Musik: Harrison Birtwistle. Elektronische Effekte: Peter Zinovieff
1970The Executioner (Regie: Sam Wanamaker) Elektronische Klangeffekte: Peter Zinovieff
2006

WHAT THE FUTURE SOUNDED LIKE (Australien)

Dokumentarfilm von Matthew Bate über die Electronic Music Studios, gegründet 1969 von Peter Zinovieff, David Cockerell und Tristram Cary