II.BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON 10.-24. April 2012

 

    

Frank Zappa - Pierre Boulez © Foto: Rob Samler                                        © Foto: bce films               

 

 

Pierre Boulez  Komponist, Dirigent, Musiktheoretiker

 

Geb. 26. März 1925 in Montbrison. Erster Klavierunterricht, Gymnasium in Montbrison.

1941 Besuch der Klasse für Mathématiques spéciales in Lyon zur Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung für die École Polytechnique. 1942 endgültige Entscheidung für den Musikerberuf, Übersiedlung nach Paris. 1944 Harmonielehre bei Olivier Messiaen am

Pariser Conservatoire, 1945 Kontrapunkt bei Andrée Vaurabourg-Honegger, Komposition

bei Messiaen, Zwölftontechnik bei René Leibowitz. Von 1946–1955 Leiter der Bühnenmusik

bei der Compagnie Renaud/Barrault. Ab 1950 Aufführungen seiner Werke in Paris und Donaueschingen. 1954 Gründung der Concerts du Petit-Marigny unter dem Patronat der Compagnie Renaud/Barrault, 1955 umbenannt in Domaine Musical.1955–1960 Analysekurse bei den Internationalen Ferienkursen in Darmstadt. 1955 Uraufführung von ´Le Marteau sans Maître´ unter Hans Rosbaud in Baden-Baden. 1958 verlegte Boulez seinen Wohnsitz nach Baden-Baden, wo er als Gastdirigent des Südwestfunk-Orchesters seine Karriere als Orchesterleiter begann. 1958 Uraufführung der zwei ´Improvisations sur Mallarmé´ in Hamburg, die zusammen mit ´Improvisation III´, ´Tombeau´ und ´Don´ das 1962 fertiggestellte Orchesterwerk ´PLI SELON PLI – PORTRAIT DE MALLARMÉ´

(für Solosopran und Orchester, nach Gedichten von Stéphane Mallarmé) bilden. Es ist Boulez´ längstes Werk. Igor Strawinsky urteilte über das Orchesterwek: „Pretty monotonous and monotonously pretty.“


The piece was begun in 1957 with the composition of the first two "Improvisations on Mallarmé" for soprano and percussion ensemble. In 1959 a third "Improvisation" was written, for soprano, instrumental ensemble and a large group of percussion, together with "Tombeau", for soprano and large orchestra. In 1960, what is now the opening movement of the piece, "Don", was completed in a version for soprano and piano. In 1962, this movement was rescored for soprano and orchestra, and "Improvisation I" was also rescored, completing the work in its initial form. As with many of his other pieces, Boulez later returned to the work and revised it. In the 1980s "Don" was rewritten and "Improvisation III" was revised. In both cases, Boulez removed some flexibility which had previously been allowed in the order in which sections of these movements might be played.

 

An der Musikakademie Basel leitete er von 1960-63 eine Meisterklasse für Komposition.

Ab 1963 Gastprofessur an der Harvard University, rege Dirigiertätigkeit. Meilensteine seiner Dirigentenkarriere waren 1963 die Pariser Erstaufführung von Bergs ´Wozzeck´und 1967

die Leitung des ´Parsifal´ in Bayreuth; danach ´Tristan und Isolde´ in Japan. Von 1967–1972 regelmäßige Konzerte mit dem Cleveland Orchestra. Von 1969–1975 Chefdirigent des BBC Symphony Orchestra und von 1970–1977 Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker.
Planung und Aufbau des IRCAM in Paris, dessen Leitung er bis 1991 innehatte. Als erster Musiker hält er Vorlesungen am Collège de France (Lehrstuhl für technische Neuerungen und musikalischen Ausdruck).

1976 Gründung des Ensemble InterContemporain. "Jahrhundert-Ring" in Bayreuth mit Patrice Chéreau (bis 1980). Der von ihm dirigierte "Ring des Nibelungen" bei den Bayreuther Festspielen (1976-1980) war ein Meilenstein der Interpretationsgeschichte.

1984 Zusammenarbeit mit Frank Zappa und Einspielung von ´The Perfect Stranger´.

Mai 1989 ´An Evening With Pierre Boulez and Frank Zappa´ in conversation at Schoenberg Hall at the university, presented by the Los Angeles Philharmonic and the UCLA Music Department (siehe Foto).


Boulez, eine Schlüsselfigur des internationalen Musiklebens, zählt zu den bedeutendsten Avantgardekomponisten. Er hat die Kompositionstechnik Anton von Weberns weitergeführt, indem er die serielle Technik weiterentwickelte und die Experimente auf jeden Aspekt des Klanges ausgedehnt hat. Als Dirigent hat er sich außer durch die Verbreitung der Neuen Musik auch als Interpret der Musik Richard Wagners hervorgetan.

In den 1950er Jahren war Pierre Boulez gemeinsam mit Karlheinz Stockhausen und Luigi Nono die Speerspitze der musikalischen Avantgarde. Heute ist der 1925 geborene Komponist, der in seiner Musik strenge Rationalität mit den poetischen Traditionen der französischen Musik verbindet, selbst ein Klassiker der Neuen Musik. Auch als Dirigent hat Boulez Maßstäbe gesetzt.


Boulez schrieb Werke für jede Art instrumentaler und vokaler Besetzung : 'Polyphonie' für 18 Soloinstrumente, 'Le soleil des eaux' für Orchester, 'Le visage nupital' für Frauenchor, Soli und Orchester, 'Structures' für 2 Klaviere, 'Poesie pour pouvoir' für Instrumente und elektronische Klänge, Klaviersonaten, Flötensonaten, Streichquartette.

 

Freitag 20. April 2012                                                                                             20.00 Uhr

 

KLANGMYRIADEN. PIERRE BOULEZ´ PLI SELON PLI - PORTRAIT DE MALLARMÉ

(D 2012)

Buch, Regie: Bettina Ehrhardt
60 min., HDCam,
deutsche Erstaufführung

 

Film über Pierre Boulez’ Mallarmé-Zyklus für Sopran und Orchester, Yeree Suh und Ensemble musikFabrik, unter der Leitung von Pascal Rophé und Gesprächen mit Pierre Boulez und den Mitwirkenden.

 

Abstraktion und Sinnlichkeit, Verdichtung und Klarheit, Freiheit und Form: es sind die Extreme, die Pierre Boulez in seiner großen Orchesterkantate in fünf Sätzen auslotet, mit gewaltigen Tutti-Schlägen und seraphischem Gesang und einer Konstruktion, die im Wechsel der Perspektiven immer wieder neue Hörerfahrungen eröffnet. Über 30 Jahre lang hat Pierre Boulez dieses Meisterwerk der Neuen Musik fortgeschrieben, "Falte um Falte" Mallarmés Dichtungen im künstlerischen Dialog von Musik und Wort erkundet.

 

Bettina Ehrhardts Film dokumentiert den Probenprozess und die Aufführung des Stücks beim Festival ´Acht Brücken´, Köln, mit Yeree Suh und dem Ensemble musikFabrik, unter der Leitung von Pascal Rophé. Rophé, der viele Jahre mit Pierre Boulez zusammengearbeitet hat, und verdeutlicht die spieltechnischen Herausforderungen, die das Stück ans Ohr der Musiker stellt. Im Gespräch mit Boulez und den Musikern wird deutlich, um welch existentielle Erfahrungen es in der Dichtung Mallarmés, in Pierre Boulez’ Musik geht. Am Schluß des Zyklus steht Mallarmés Gedicht ´Tombeau´ über den Tod des Dichters Verlaine. “Ich wollte oft angenehm sein mit meiner Musik”, sagt Pierre Boulez im Publikumsgespräch, “aber sicher nicht hier: Sie sind gewarnt.”

 

In Anwesenheit von Bettina Ehrhardt

 



Preise und Auszeichnen (Auswahl)

 

2011  Giga-Hertz-Preis für elektronische Musik 2011
  Adenauer-de Gaulle-Preis
2009
Kyoto-Preis
2008
Deutsch-Französischer Kulturpreis 
2004
Goldene Ehrenmedaille von Baden-Baden
2002 Glenn-Gould-Preis
1998
Ehrendoktorat des Connecticut College
1996 Berliner Kunstpreis
1995
Polar Music Prize
 
Preis der deutschen Schallplattenkritik
 Künstler des Jahres von der englischen Musikzeitschrift The Gramophone
1992Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt
1991 Ehrendoktorat der Universität Frankfurt
1989  Goldene Ehrennadel der Stadt Wien
1980Großer französischer Staatspreis
1979
Ernst von Siemens Musikpreis
1976
Prix France-Allemagne

 

sowie 26 Grammys

Kommandeur des Ordre des Arts et des Lettres, Bundesverdienstkreuz u.v.a.

 

Literatur


Pierre Boulez: Leitlinien. Gedankengänge eines Komponisten. Kassel 2000

(Übersetzung: Josef Häusler)

Jean-Jaques Nattiez (Hg.): Dear Pierre - cher John. Pierre Boulez und John Cage.

Der Briefwechsel. Hamburg 1997 (Übersetzung: Bettina Schäfer und Katharina Matthewes)

Dominique Jameux: Pierre Boulez, Cambridge, MA: Harvard University Press, 1991

Pierre Boulez: Wille und Zufall. Gespräche mit Célestin Deliège und Hans Mayer.

Belser, Stuttgart 1977 (Übersetzung: Josef Häusler und Hans Mayer)

Pierre Boulez: Anhaltspunkte. Belser, Zürich 1976

Boulez on Music Today. Faber & Faber, London 1971

(Übersetzung: Susan Bradshaw und Richard Rodney Bennett)

Paul Griffiths: Pierre Boulez's Pli selon Pli (www.deutschegrammophon.com)

Wolfgang Fink: Pierre Boulez in conversation with Wolfgang Fink about Pli selon Pli (www.deutschegrammophon.com)