II.BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON 10.-24. April 2012

Presseinfo Nr. 1     

 

 

Mit rund 40 Veranstaltungen in 14 Tagen geht der diesjährige BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON am 10.04. an den Start. Austragungsstätte in diesem Jahr ist das 200 Sitzplätze fassende Kino im Martin-Gropius-Bau in der Niederkirchner Str. 7 in Berlin-Kreuzberg.

 

Anhand ausgewählter Spiel- und Dokumentarfilme, Experimentalfilme, Art brut-Filme, Outsider Filme, Industrie- und Künstlerfilme wird ein exemplarischer Einblick in das Schaffen jener vermittelt, die als RegisseurInnen und KomponistInnen mit ihren Arbeiten Maßstäbe gesetzt haben.

 

Ein umfangreicher Programmblock ist den Arbeiten von und über den Elektronikpionier Oskar Sala gewidmet, der in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinemathek entstand. Andere Programme thematisieren die Entwicklung der elektronischen Musik in England, Deutschland, Italien, Schweden und den USA (WHAT THE FUTURE SOUNDED LIKE, THE ALCHEMISTS OF SOUND, KRAUTROCK – THE REBIRTH OF GERMANY, NUOVA CONSONANZA. KOMPONISTEN IMRPOVISIEREN IM KOLLEKTIV, THE SHIP OF FOOLS, TONBANDMASCHINE. ELEKTRONISCHE MUSIK IN DEUTSCHLAND, BRIDGES-GO-ROUND, FORBIDDEN PLANET u.a.).

Ein weiterer Schwerpunkt gilt dem Instrument der Stimme in seinen schier unerschöpf-lichen Ausprägungen. Dazu zählen Filme wie THE VOICE OF IRAN: MOHAMMAD REZA SHAJARIAN von Christian Braad Thomsen (11.04.), GESANG DER JÜNGLINGE des Künstlergespanns Andree Korpys und Markus Löffler (11.04.), GESUALDO – TOD FÜR FÜNF STIMMEN von Werner Herzog (12.04.), ABFALLPRODUKTE DER LIEBE von Werner Schroeter (12.04.), DAS ANDERE UNIVERSUM DES KLAUS BEYER von Frank Behnke und Georg Maas (12.04.), THE DEVIL AND DANIEL JOHNSTON von Jeff Feuerzeig (13.04.) und MAMA AFRICA von Mika Kaurismäki (14.04.).

 

In deutscher Erstaufführung zeigen wir zur Eröffnung am 10.04. die Filmdokumentation GOZARAN – TIME PASSING (2011) des renommierten niederländischen Musikfilmregisseurs Frank Scheffer, ein einfühlsames Portrait des iranischen Komponisten und Dirigenten Nader Mashajekhi und ein Nachvollzug seines Scheiterns, in Teheran mit seinem Symphonieorchester, dem zahlreiche Musikerinnen angehören, Neue Musik aufzuführen. 

Weitere deutsche Erstaufführungen sind der Film über den griechischen Komponisten Jani Christou: ANAPARASTASIS: LIFE & WORK OF JANI CHRISTOU (1926-1970) von Costis Zouliatis, WHAT THE FUTURE SOUNDED LIKE (Australien 2006) von Matthew Bate, KLANGMYRIADEN: PIERRE BOULEZ´PLI SELON PLI - PORTAIT DE MALLARMÉ von Bettina Ehrhardt. Die Regisseure Frank Scheffer, Costis Zouliatis und Bettina Ehrhardt sind zur Präsentation ihrer Filme anwesend.

 

Vier Filme setzen sich mit dem Jahrhundertphänomen John Cage auseinander: MAKING ONE 11 AND 103 von Henning Lohner & Peter Lohner, ONE 11 AND 103 – es ist dies John Cages einzige eigene Filmarbeit, die er in seinem letzten Lebensjahr zusammen mit Henning Lohner realisierte, DIE RACHE DER TOTEN INDIANER von Henning Lohner sowie SOUND ???, eine frühe Arbeit des englischen Regisseurs Dick Fontaine mit Roland Kirk und John Cage.

 

Frühe Industrie- und Experimentalfilme zeigen wir von dem Künstlergespann Edgar Reitz und Josef Anton Riedl (GESCHWINDIGKEIT, KOMMUNIKATION, BAUMWOLLE) und dem Gespann Hugo Niebeling und Oskar Sala (STAHL – THEMA MIT VARIATIONEN, MIT LICHT SCHREIBEN), die mit ihren vielfach preisgekrönten Arbeiten das Genre neu definierten. Josef Anton Riedl und Hugo Niebeling werden ihre Arbeiten persönlich präsentieren.

 

Erstmals in Berlin wiederaufgeführt wird das Werk KI-NO. NACHTMUSIK FÜR PROJEKTOREN UND HÖRER (1963-67) von und mit Dieter Schnebel, dessen digitale Fassung durch das ZKM / Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe anlässlich der dort am 16. März eröffneten Ausstellung "Sound Art. Klang als Medium der Kunst" produziert wurde.

 

Es gibt zwei Lectures als Sonntagsmatineen: Albrecht Dümlings Vortrag über "Akustische Illustration oder dramaturgischer Kontrapunkt? Zu den Filmmusik-Ideen von Brecht, Eisler und Eisenstein" (15.04.) und Henning Lohners Filmlecture über seine vielgestaltige Arbeit als Regisseur, Filmkomponist und Multimedia-Künstler (22.04.).

Zu beiden Lectures ist der Eintritt frei.

 

"Eintritt frei" heißt es auch bei den Vorführungen der Filme THE ALCHEMISTS OF SOUND von Roger Pomphrey (16.04.) und KRAUTROCK – THE REBIRTH OF GERMANY von Ben Whalley (17.04.) aufgrund einer Absprache mit der BBC, die uns die Arbeiten freundlicherweise zur Verfügung stellt.

 

Zahlreiche Regisseure und Komponisten sind zur Präsentation und Diskussion ihrer Arbeiten persönlich anwesend:

Der niederländische Regisseur Frank Scheffer präsentiert seine Filme GOZARAN – TIME PASSING (10.04.) und HELICOPTER STRING QUARTET über die Proben und Vorbereitungen zu Karlheinz Stockhausens gleichnamigem Werk (11.04.); davor stellt das Künstlergespann Andree Korpys und Markus Löffler seinen 2010 in Oberhausen preisgekrönten Kurzfilm GESANG DER JÜNGLINGE, Stockhausens Frühwerk, vor. 

Der dänische Regisseur, Produzent und Musikautor Christian Braad Thomsen zeigt THE VOICE OF IRAN: MOHAMMAD REZA SHAJARIAN (11.04.) sowie PELLE GUDMUNDSEN-HOLMGREEN. MUSIKKEN ER ET MONSTER (13.04.). Ingo Rudloff  und Oliver Rauch zeigen und diskutieren zur Eröffnung des Oskar-Sala-Blocks ihre Arbeit OSKAR SALA. DIE VERGANGENE ZUKUNFT DES KLANGS (14.04.), Theo Janßen präsentiert seinen seinerzeit für den NDR gedrehten Film OSKAR SALA. EIN ALCHEMIST DER ELEKTRONISCHEN MUSIK (15.04.), der Grandseigneur des Industriefilms, Regisseur und Produzent Hugo Niebeling stellt seine in Zusammenarbeit mit Komponist Oskar Sala entstandenen Werke STAHL – THEMA MIT VARIATIONEN (1960) und MIT LICHT SCHREIBEN (1967) vor.

Der dänische Elektronikpionier und Filmemacher Fuzzy (mit bürgerlichem Namen Jens Wilhelm Pedersen und bei Rainer Werner Fassbinders TV-Serie "Acht Stunden sind kein Tag" unter Jean Gepoint firmierend) präsentiert THE SHIP OF FOOLS (18.04.) und weitere eigene Werke, Komponist Dieter Schnebel zeigt KI-NO. NACHTMUSIK FÜR PROJEKTOREN UND HÖRER (18.04.); Josef Anton Riedl gibt Auskunft über seine Zusammenarbeit mit Edgar Reitz (GESCHWINDIGKEIT, KOMMUNIKATION, BAUMWOLLE) und zahlreiche seiner anderen multimedialen Arbeiten. Bettina Ehrhardt stellt mit INTOLLERANZA. LUIGI NONO´S SCENIC ACTION AS SEEN TODAY (20.04.) und ihrem neuesten Werk KLANGMYRIADEN: PIERRE BOULEZ´ PLI SELON PLI. PORTRAIT DE MALLARMÉ (20.04.)

zwei ihrer wegweisenden Arbeiten vor. Der in Berlin, München und Los Angeles beheimatete Regisseur und Filmkomponist Henning Lohner ist mit drei Cage-Filmen vertreten: MAKING ONE 11 AND 103 (21.04.), ONE 11 AND 103 (21.04.) und DIE RACHE DER TOTEN INDIANER (22.04.).

 

Der Stockhausen-Schüler und Komponist Irmin Schmidt (Can) erläutert anhand ausgewählter Filmausschnitte seine Kompositionsprinzipien und zeigt mit dem Spielfimdebut von Thomas Schamoni EIN GROSSER GRAUBLAUER VOGEL (1967)

wie alles begann: "Von der Rockmusik zum Kinobild I + II" heißt denn auch dieses Double-Feature, das von dem Berliner Filmemacher und Fotografen Heiner Mühlenbrock als Werkstatt-Gespräch moderiert wird (24.04.). Zur Vorführung von Schamonis Film EIN GROSSER GRAUBLAUER VOGEL - für uns die Wiederentdeckung eines hinreißenden Kleinods der deutschen Filmkunst - erwarten wir auch die Produzentin und Regisseurin Deborah Schamoni.

 

Carte blanche bekam der in Berlin und San Francisco lebende Regisseur, Schauspieler und Musiker Frank Behnke (Mitglied der Band ´Mutter´), um zwei slots mit Filmen seiner Wahl zu gestalten. "Outsider Artists – Art brut Musik" nannte er seine Beiträge, die uns zwei seelenverwandte Künstler näherbringen: den Berliner "5. Beatle" Klaus Beyer (12.04.) und den amerikanischen Singer/Songwriter und Comic-Zeichner Daniel Johnston (13.04.). Beide hatte er in der Vergangenheit bereits mehrfach auf die Bühnen Berlins geholt – wir zeigen die dazugehörigen Filme.


Weitere wesentliche Beiträge kommen von dem Ton Steine Scherben-Schlagzeuger und renommierten Musikautor Wolfgang Seidel, der mit WHAT THE FUTURE SOUNDED LIKE die Pioniere der englischen Electronic Music Studios vorstellt, gefolgt von THE ALCHEMISTS OF SOUND über den legendären Radiophonic Workshop der BBC (16.04.). Mit KRAUTROCK – THE REBIRTH OF GERMANY (17.04.) steigt er dann quasi von der Leinwand herab – er ist einer der Protagonisten dieses Films von Ben Whalley -, der auf 60 Minuten kondensiert die wesentlichen Stationen und Wirkungsgeschichte der sogenannten "Krautrock"-Zeit illuminiert.

 

Mit dem Kurzfilm Shirley Clarkes BRIDGES-GO-ROUND (1958) und dem Science-Fiction-Klassiker FORBIDDEN PLANET (USA 1956) des Lassie-Regisseurs Fred M. Wilcox, beide versehen mit bahnbrechenden elektronischen Scores von Bebe & Louis Barron, die früh schon mit John Cage gearbeitet hatten, stellt Wolfgang Seidel darüber hinaus noch zwei weitere wichtige Pfeiler unseres Programmes vor.

 

In memoriam Werner Schroeter zeigen wir am 12.04. in Anwesenheit von Elfi Mikesch (tbc) und Juliane Lorenz Schroeters grandioses Werk ABFALLPRODUKTE DER LIEBE (Kamera: Elfi Mikesch, Montage: Juliane Lorenz).

 

Mit Folkmar Hein, dem ehemaligen Leiter des Elektronischen Studios der TU-Berlin, diskutieren wir den vom Studio für Elektronische Musik der HFMT Köln und der Kunsthochschule für Medien Köln produzierten Film TONBANDMASCHINE. ELEKTRONISCHE MUSIK IN DEUTSCHLAND (19.04.), in dem Hein selbst auch ausführlich zu Wort kommt.


Zahlreiche weitere namhafte Gäste erwarten wir auch aus Anlaß der Oskar-Sala-Präsentationen (14.04. - 17.04.), darunter Fotograf und Buchautor Peter Badge (Oskar Sala. Pionier der elektronischen Musik, 2000), Autor Frank Hentschel (Töne der Angst. Die Musik im Horrorfilm, 2012), Jürgen Hiller (Trautoniumbauer), Daniel Meiller (Deutsche Kinemathek), Wolfgang Müller (Trautoniumspieler), Ulrich Rützel (Musikproduzent und Verleger), Carsten Schmidt (Musikinstrumentenmuseum Berlin) u.a.

 

Der II. BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON (10.04.-24.04.) wird mit einem Sockelbetrag vom Hauptstadtkulturfonds gefördert, ohne den dieses Projekt nicht hätte realisiert werden können.

Gastgeber im Martin-Gropius-Bau sind die Berliner Festspiele resp. die übergeordnete KBB (Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH).

Unterstützung erhält der II. BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON weiterhin von:

Akademie der Künste Berlin, Arthaus Musik, BBC, Botschaft des Königreichs der Niederlande, Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen, EuroArts, Schott Music, Studio für elektronische Musik/Hochschule für Musik und Tanz Köln, Kunsthochschule für Medien Köln, Staatliches Institut für Musikforschung Preussischer Kulturbesitz, Verlag Bertz + Fischer, Wolke Verlag und ZKM - Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe.

Sponsoren sind: BTL Group, Geier-Tronic, AMZ, Holiday Inn Express, Skoda.

Medienpartner: taz.

Bei TwoTickets (www.twotickets.de) werden für jede Vorstellung zwei Freikarten verlost.

 

Helma Schleif                                                                         Berlin, im März 2012