II.BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON 10.-24. April 2012
 

Mein Ansatz - das Kybernetische - könnte auch politisch aufgefasst werden: Dass   

sich Gruppen selbst steuern, selbst bestimmen, und dass dies auch mit Tönen, 

Klängen und Geräuschen möglich sein müsste - elektronisch natürlich. Dass sie

selbstorganisierte Mechanismen werden. Roland Kayn

 


Roland Kayn Organist und Komponist

 

Geb. 3.9.1933 in Reutlingen; gest. 5.1.2011 in Nieuwe Pekela, Niederlande.
Erster Musikunterricht (Klavier und Violoncello) Studium (Harmonielehre, Kontrapunkt) bei Hugo Herrmann in Reutlingen.
Von 1952-1956 Studium an der Staatlichen Hochschule für Musik in Stuttgart und an der Kirchenmusikschule in Esslingen.
Nimmt an der Technischen Hochschule in Stuttgart am Arbeitskreis Max Benses teil. Kommt mit Herbert Eimert in Verbindung und ist Gast im Elektronischen Studio des NWDR, Köln. Aufführung seiner Arbeiten. Abschluss-Examen als Organist. Lernt Hans-Heinz Stuckenschmidt in Hamburg kennen und folgt 1956 seiner Empfehlung, bei Boris Blacher in Berlin in seiner Meisterklasse an der Staatlichen Musikhochschule weiter zu studieren. Setzt diesen Studiengang - neben Seminaren bei Josef Rufer, Fritz Winckel und Oskar Sala - bis 1958 fort. Nimmt erstmalig an den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt teil. Beginn der Freundschaft mit Franco Evangelisti und Camillo Togni.
Arbeitet an der Erforschung neuer Klangstrukturen im instrumentalen Bereich. Uraufführung seiner Komposition `Spektren´ bei den Internationalen Ferienkursen in Darmstadt. Erhält den Förderungspreis der Freien- und Hansestadt Hamburg. Im Rahmen der Reihe ´Musik der Zeit´ des NWDR, Köln wird sein Werk ´Kammerkonzert´ uraufgeführt. Für diese Komposition erhält er in Japan den ersten Preis für das beste Werk eines Ausländers. Aloys Kontarsky bringt in Darmstadt seine Komposition ´Quanten´ zur Uraufführung. Der Hessische Rundfunk in Frankfurt erteilt einen Kompositionsauftrag für ein Orchesterwerk, dessen Uraufführung in Darmstadt Bruno Maderna dirigiert. Kommt mit Jozef Patkowski, Direktor des Experimentalstudios des Polnischen Rundfunks, in Verbindung und erhält eine Einladung für einen Arbeitsaufenthalt in Warschau. Beginn der elektronischen Komposition ´Impulse´.
1960 geht er mit einem Stipendium (Villa Massimo) nach Rom. Arbeitet mit der ´Gruppo Universitario Nuova Musica´ (GUNM) in Palermo zusammen und wird Mitorganisator der ersten ´Settimana Internazionale Nuova Musica´. 1963 Uraufführung der Komposition ´Schwingungen´ für fünf Klanggruppen (1961-62 als Auftragswerk der Stadt Hamburg entstanden) anlässlich der ´Settimana di Nuova Musica´ in Palermo. Dieses Werk erhält beim ´Concorso Internazionale di Composizione della´( SIMC) den zweiten Preis; 1965 den ersten Preis der Biennale de Paris. Schreibt im Auftrag des Südwestfunks Baden-Baden das Stück ´Inerziali´ für fünf bis zwanzig Spieler.
1964 zusammen mit Aldo Clementi und Franco Evangelisti Gründung der heute legendären´Gruppo di Improvvisazione Nuova Consonanza´. Gibt Konzerte in Rom und Florenz mit ´Nuova Consonanza´.1965 Kompositionsauftrag der Donaueschinger Musikktage. 1966 dirigiert Pierre Boulez die Uraufführung von ´Signals´ für sieben Klanggruppen in der Reihe "das neue werk" des NDR Hamburg. Arbeitet im Elektronischen Studio des WDR (Köln) und im Siemens-Studio (München). Mit ´Allotropie´ Teilnahme am Festival Warschauer Herbst.
Schallplattenaufnahme mit der ´Nuova Consonanza´ für RCA in Rom. Initiiert die Zusammenarbeit mit dem NDR und Regisseur Theo Gallehr. Es entsteht NUOVA CONSONANZA. KOMPONISTEN IMPROVISIEREN IM KOLLEKTIV (1967). Realisiert 1968 in einem provisorisch eingerichteten Studio beim NDR, Hamburg die elektronische Komposition ´Cybernetics´ für sieben Chorgruppen, Klangerzeuger, Schallquellen, Live-Elektronik und Tonband.Als Ausgangsmaterial werden ausschließlich Vokalklänge und Vokalgeräusche menschlichen sowie tierischen Ursprungs verwendet. Französische Erstaufführung der ´Schwingungen´ beim ORTF in Paris unter dem Dirigenten Charles Bruck. Verlässt die Gruppe ´Nuova Consonanza´ und führt zusammen mit Karl-Erik Welin, Torsten Nilsson und Gunnar Valkare erstmalig in Quadrophonie die ´Diffusions´ für Sveriges Radio in Stockholm auf. 1969 produziert er im Studio di Fonologia della RAI in Mailand die ´Cybernetics III´. Uraufführung des Werkes beim ´Festival Internazionale di Musica Contemporanea´ in Venedig. Bei den ´Tage für Neue Musik´ des NDR, Hannover werden die ´Sequenzen´ für Orchester uraufgeführt.
1970 geht er auf Einladung des Instituuts voor Sonologie der Rijksuniversiteit nach Utrecht. Wird in die Jury des Internationalen Gaudeamus-Kompositions-Wettbewerbs berufen sowie in die Jury des Angelicum-Edizioni-Suvini-Zerboni-Wettbewerbs in Mailand. Wird Programm-Referent am Goethe-Institut in Amsterdam. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Gaudeamus in Bilthoven und VARA-Radio Hilversum Gründung der Reihe ´Forum der Neuen Musik´ beim Goethe-Institut; Beginn der Reihe ´film + experiment´ in Zusammenarbeit mit Museen und dem Goethe-Institut, die bis 1989 in zehn Städten veranstaltet wird. Rolf Liebermann eröffnet die Möglichkeit, an der Staatsoper im September ein Simultan-Konzert in allen Räumen zu veranstalten, das der elektronischen Musik von diversen Studios gewidmet ist. Im Rahmen der Ausstellung ´Computer + Kunst´ in Amsterdam nimmt er zusammen mit Max Bense, Jan Aler u.a. an einem vom Instituut voor Esthetica der Universität veranstalteten Symposium teil. Experimentiert im ´Studio de recherche et de structurations électroniques auditives´ in Brüssel. Teilnahme am Internationalen Kongress für Musikalische Graphik in Rom. Uraufführung von ´Simultan´ (Auftragswerk für die Reihe pro musica nova, Radio Bremen) in der Kunsthalle Bremen und Ausstellung von ´Roland Kayn - Graphische Partituren und Dokumente´. 1993 beendet er die Partitur zu ´Engramme´ für 15-60 disponible Instrumente.
Präsentiert in Verbindung mit dem Goethe-Institut, dem Haags Gemeente Museum und der Stichting Gaudeamus u.a. im Concertgebouw in Amsterdam die Rekonstruktion der Düsseldorfer Ausstellung ´Entartete Musik´ von 1938 mit einem niederländischen Erweiterungsteil.
Von 1999 bis zu seinem Tod 2011 lebte er zurückgezogen in Nieuwe Pekela bei Groningen.

www.kayn.nl

 

 

Sonntag 15. April 2012                                                                                           18.00 Uhr

 

NUOVA CONSONANZA. KOMPONISTEN IMPROVISIEREN IM KOLLEKTIV (BRD 1967) 

Buch, Regie: Theo Gallehr

Schnitt: Rosemarie Quast
Mit: Mario Bertoncini (percussion, prepared fortepiano), Walter Branchi (bass), Franco Evangelisti (piano), John Heineman (trombone, cello), Roland Kayn (hammond organ, vibes, marimbaphone), Ennio Morricone (trumpet), Ivan Vandor (tenor sax), Frederic Rzewski (Interview)
47 min., Beta SP