II.BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON 10.-24. April 2012
       

Am Set 

 

EIN GROSSER GRAUBLAUER VOGEL

 

 

 

Thomas Schamoni  Regisseur, Drehbuchautor, Produzent

 

Hineingeboren 13.08.1936 in Berlin in eine Familie von Filmschaffenden: Sein Vater war promovierter Filmwissenschaftler (Dissertation: ´Das Lichtspiel – Möglichkeiten des

absoluten Films´, Hamm 1936), seine Mutter seit jungen Jahren filmaffin und beteiligt an manchen Filmproduktionen ihres Mannes.

Auch seine drei Brüder Victor (1932–1975), Peter (1934–2011) und Ulrich (1939–1998) gehörten als Cineasten zu den Mitbegründern des Neuen Deutschen Films.

 

Thomas Schamoni studierte von 1955-1958 Bildhauerei und Grafik, wandte sich dann aber

dem Filmjournalismus zu. Von 1959-1960 absolvierte er eine Kamera-Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und wurde 1961 Redaktionsassistent beim WDR.

Seit 1962 dreht er eigene Filme. Darüber hinaus war er als Produzent, Autor und Schauspieler an zahlreichen weiteren Kurz- und Fernsehfilmen beteiligt.

 

Für seinen Debutspielfilm EIN GROSSER GRAUBLAUER VOGEL wurde er 1970 mit dem Bundesfilmband in Gold als bester Nachwuchsregisseur ausgezeichnet. Der Film erlebte

einige Festivalaufführungen, doch dass der teure Film kein kommerzieller Erfolg wurde,

lag auch an den Schwierigkeiten, einen Verleih zu finden und nicht zuletzt am Konkurs

des italienischen Co-Produzenten.

 

Für uns die Wiederentdeckung eines hinreißenden Kleinods der deutschen Filmkunst, das unbedingt ins Kino gehört.


 

Dienstag 24. April 2012                                                                                          18.00 Uhr

 

THE CAN. GAST: IRMIN SCHMIDT: Von der Rockmusik zum Kinobild I
EIN GROSSER GRAUBLAUER VOGEL (BRD/I 1969)

Regie: Thomas Schamoni

Buch: Thomas Schamoni, Uwe Brandner, Hans Noever, Max Zihlmann

Kamera: Dietrich Lohmann, Bernd Fiedler

Originalmusik: Irmin Schmidt, Holger Czukay, Michael Karoli, Jaki Liebezeit, Malcolm Mooney

ISP-Sounds und Musikschnitt: Irmin Schmidt

Schnitt: Elisabeth Orlv, Peter Przygodda

Darsteller: Klaus Lemke (Tom X), Sylvie Winter (Luba), Umberto Orsini (Morelli),

Rolf Becker (Lunette), Walter Ladengast (Belotti), Bernd Fiedler (Knokke), Sigi Graue (Brian), Mario Novelli (Herbert), Olivera Vuco (Diana), Lukas Ammann (Cinque)

Gastauftritt: Robert Siodmak

Produktion: TS Film Thomas Schamoni (München), Prodi Cinematografica (Rom)

88 min, 1: 1.66 (anamorph)

 

In Anwesenheit von Irmin Schmidt & Deborah Schamoni. Moderation: Heiner Mühlenbrock

 


 

Es konnte eigentlich nur schief gehen.

  Thomas Schamoni 


Thomas Schamoni brütet lange über der Finanzierung seines Films EIN GROSSER GRAUBLAUER VOGEL und entwickelt nebenbei eine Idee, die er zuerst mit seinen Freunden Uwe Brandner und Hans Noever bespricht: Mehrere Filmemacher sollten sich zusammentun, um in einer Art Genossenschaft gemeinsam Projekte zu entwickeln, zu realisieren und gemeinsam gegenüber dem Sender zu bürgen. Je mehr Mitglieder sie sind, desto geringer wird das Risiko für den Einzelnen. Die Idee verbreitet sich schnell und bald sind es 20 und oft mehr Filmemacher, die

in Thomas Schamonis Wohnung in der Ismaninger Straße die Zukunft nicht nur diskutieren, sondern bald auch gestalten. (www.filmverlagderautoren.de)


1969 gründete Schamoni gemeinsam mit Rainer Werner Fassbinder und Peter Lilienthal  ´X-Film´ für Produktion, Verleih und Vertrieb von Filmen. 1970 wurde daraus der Filmverlag

der Autoren. 13 Filmschaffende unterzeichneten seinerzeit den Gesellschaftervertrag zur ersten Produktion im Filmverlag der Autoren (PIFDA): Pete Ariel, Hark Bohm, Uwe Brandner, Michael Fengler, Veith von Fürstenberg, Florian Furtwängler, Hans W. Geißendörfer, Peter Lilienthal, Hans Noever, Thomas Schamoni, Laurens Straub, Volker Vogeler und Wim Wenders.


Der Thomas Schamoni hat für die Vorbereitung vom GROSSEN GRAUBLAUEN VOGEL mindestens so viel ausgegeben, wie unser Film [LIEBE IST KÄLTER ALS DER TOD] ganz gekostet hat, nur für die Vorbereitung, fürs Telefonieren und fürs Rumfliegen und fürs Schauspieler engagieren.

(Rainer Werner Fassbinder)


EIN GROSSER GRAUBLAUER VOGEL zeichnet sich durch eine Vielzahl von komplexen und dynamischen Bild- und Tonmontagen aus, in denen auch die dynamische Musik von Can, seinerzeit eine der progressivsten Krautrockbands, eine tragende Rolle spielt.

 

Der junge Dichter Tom X umgibt sich mit einer Gruppe exzentrischer Typen. Einer von ihnen,

der Landstreicher Belotti, behauptet, er sei früher Wissenschaftler gewesen und habe mit

vier Kollegen eine Formel zur Weltbeherrschung entwickelt. Als Belotti bei einem Entführungsversuch ums Leben kommt, versucht Tom-X, die vier Wissenschaftler zu finden.

Er gerät unter die Agenten von Herrn Cinque, denen sich Journalist Gio anschließt.

Schließlich stellt sich heraus, dass alles der Fantasie von Tom-X entsprungen ist. Oder auch nicht.

 

Die Wiederentdeckung eines hinreißenden Kleinods der deutschen Filmkunst: Thomas Schamonis Spielfilmdebüt ist poetisch, verwirrend, ungestüm, ein Manifest, ein Selbstzitat, eine Reflexion über das Kino und seine Möglichkeiten.


Filmografie (Auswahl)

 

2006-2008Gegenschuss - Aufbruch der Filmemacher (Mitwirkung) 
1981 

Die Heimsuchung des Assistenten Jung (Regie)

Originalmusik: Irmin Schmidt 

1974  Output (Drehbuch)
 Bannister ist verschwunden (Sprecher) 
1972/1973Der scharlachrote Buchstabe 
1972 Der Eisberg der Vorsehung (Regie, Buch) Co-Autor: Laurens Straub
1971 Wie starb Roland S. (Darsteller)
 Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (Produzent)
1969/1970 

EIN GROSSER GRAUBLAUER VOGEL (Regie, Buch, Stoff, Produzent)

Co-Autoren: Uwe Brandner Hans Noever, Max Zihlmann

Originalmusik: The Can (Irmin Schmidt, Holger Czukay, Michael Karoli,

Jaki Liebezeit, Malcolm Mooney)

1969  Liebe ist kälter als der Tod (Produzent)
1967  Eine Luftreise, ein Abenteuer, etwas für Kenner (Regie)
1966 Der Brief (Darsteller)
1965

Charly May (Regie)

Buch: Ulrich Schamoni. Darsteller: Lex Barker. Kamera: Christian Blackwood

 Noah hat es leichter
 Wojna i mir (Regie)
 Ansichten einer Unbekannten (Regie)
1964 Ruhrrevier 65
1962Kinderspiele (Regie)
 Die Puppe auf dem Bett (TV)
 Die Passion (TV)

 

Literatur

 

Maria Schamoni: Meine Schamonis, Nymphenburger Verlagsanstalt, München 1983

 

www.filmverlagderautoren.de

www.filmportal.de