II.BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON 10.-24. April 2012

Foto: Elfi Mikesch

Isabelle Huppert, Martha Mödl, Elisabeth Cooper, Werner Schroeter

 

 

     

 

Werner Schroeter  Theater-, Opern-, und Filmregisseur, Produzent

 

Geb. 7. April 1945 in Georgenthal (Thüringen); gest. 12. April 2010 in Kassel.

Werner Schroeter nimmt seit den späten 60er Jahren eine singuläre Position in der internationalen Filmlandschaft ein. Schroeters erste Experimentalfilme auf 8mm entstehen 1967. Er zeigt sie auf dem Experimentalfilmfestival von Knokke, wo er Rosa von Praunheim kennen lernt, mit dem er fortan eine intensive künstlerische und persönliche Beziehung unterhält. 1968/69 entstehen ine Vielzahl weiter Experimentalfilme auf 8mm und 16mm.

Schon diese frühen Werken sind geprägt von Werner Schroeters immenser Liebe für die

Oper und insbesondere für Maria Callas, die für Schroeters Leben und Werk von eminenter Bedeutung ist. So lassen sich manche Zeilen aus dem Nachruf, den er 1977 für den SPIEGEL verfasste, wie ein künstlerisches Credo lesen, das wohl bis heute nichts an Gültigkeit

verloren hat: "Schönheit entsteht durch Wahrheit und nicht umgekehrt (...). Die ins Maßlose getriebenen Ausdrucksmomente der Kunst stellen nichts anderes dar als das Bedürfnis,

die Zeit anzuhalten. Das heißt, die Endlichkeit der menschlichen Bedürfnisse zuignorieren

und ihnen die Glaubhaftigkeit im Ausnahmefall und damit auch ihren Stolz zu geben."


Schroeter wird neben Fassbinder, Herzog und Wenders zu einem der wichtigsten Exponenten des aufstrebenden jungen deutschen Kinos. Als Kosmopolit ohne festen Wohnsitz dreht Schroeter in jenen Jahren in Mexiko, Frankreich, Libanon, Tschechien, Österreich, USA und Italien. Gleichzeitig beginnt er verstärkt und mit großem internationalem Erfolg, für das Theater und die Oper zu inszenieren.


www.werner-schroeter.com

 

Donnerstag 12. April 2012                                                                                     20.00 Uhr

 

POUSSIERES D´AMOUR / ABFALLPRODUKTE DER LIEBE (D/F 1996)           

Regie: Werner Schroeter                                       in memoriam Werner Schroeter

Buch: Werner Schroeter, Claire Alby

Kamera: Elfi Mikesch

Montage: Juliane Lorenz

Musik: Elisabeth Cooper

Darsteller/Mitwirkende

Anita Cerquetti – Sopran

Martha Mödl - Dramatic Soprano

Rita Gorr – Mezzosopran

Kristine Ciesinski – Sopran

Katherine Ciesinski -Mezzosopran

Laurence Dale - Tenor

Jenny Drivala – Sopran

Sergej Larin - Tenor

Gail Gilmore – Sopran

Trudeliese Schmidt – Mezzosopran

Elisabeth Cooper – Pianistin und musikalische Leitung

Isabelle Huppert - Interviewerin

Carole Bouquet - Interviewerin

Stéphane Arnaud

Marie-Stéphane Bernard - Sopran

Ausstattung/Kostüme: Alberte Barsacq

Sound design: Vasco Pimentel

Produzent: Jean-Pierre Bailly, Anne Cauvin, Christoph Hahnheiser, Wieland Schultz-Keil

Produktion: MC4 Productions, Schlemmer Film

35 mm, Farbe, 1:1.66, Dolby

125 min.

 

In Anwesenheit von Elfi Mikesch (tbc) & Juliane Lorenz


 

An exploration of the question raised by French philosopher Roland Barthes: "Why and how do singers find ´'emotion´ in their voice?"

 

Der Film basierte nicht auf einem ausgearbeiteten Drehbuch. Es gab lediglich drei feste Bezugsgrößen: den Set (die Zisterzienserabtei Royaumont), die Stadt (Düsseldorf) und die Mitwirkenden. Die Sängerinnen und Sänger waren jeweils für zwei Tage am Set, in Begleitung einer Person ihrer Wahl (Freund/Freundin, Geliebte/r, Kind) und arbeiteten an einer von Regisseur Werner Schroeter ausgewählten Arie.

Gedreht in der Zisterzienserabtei Royaumont in Asnières-sur-Oise, Département Val-d'Oise,

ca. 30 Kilometer nördlich von Paris.


Arien & Lieder

 

´Béatrice et Bénédict´- Hector Berlioz

´Fidelio´- Ludwig van Beethoven

´La Bohème´- Giacomo Puccini

´La Gioconda´- Amilcare Ponchielli

´Werther´- Jules Massenet

´Carmen´- Georges Bizet

´Fedora´- Umberto Giordano

´Médée´- Luigi Cherubini

´La Dame de Pique´- Pyotr Ilyich Tchaikovsky (as Peter I. Tchaikowski)´

´Lohengrin´- Richard Wagner

´La Traviata´- Giuseppe Verdi

´Heilige Nacht´- Franz Schubert

´Nana´s Lied´- Kurt Weill / Bertolt Brecht

´Casta Diva: Norma´- Vincenzo Bellini

´O re deil cieli: Agnese di Hohenstaufen´- Gasparo Spontini

´Lulu´- Alban Berg

´La mort de Cléopâtre´- Hector Berlioz

´Youkali´- Kurt Weill / Bertolt Brecht

´La Clemenza di Tito´- Wolfgang Amadeus Mozart

´Vissì d´arte: Tosca´- Giacomo Puccini


Der Film, wiewohl produziert unter Beteiligung von deutschen und französischen Fernsehanstalten, sollte unbedingt im Kino gesehen werden, - in einem mit sehr guter Tonanlage. (Dietrich Kuhlbrodt, in: epd film 12/1996)

Preise, Festivals, Werkschauen (Auswahl)

2010/2011Werkschau im Centre Georges Pompidou
2010Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreis, zusammen mit Elfi Mikesch
2008Sonderpreis der Jury des Filmfestivals von Venedig für das Gesamtwerk
2000Arte-Preis für ´Die Königin´
1997

Filmpreis der Deutschen Filmkritik für den Dokumentarfilm

POUSSIERES D`AMOUR / ABFALLPRODUKTE DER LIEBE

1996Pardo d´honneur der Filmfestspiele Locarno für das Gesamtwerk
Filmpreis der Internationalen Hofer Filmtage für das Gesamtwerk
1991Bundesfilmpreis für die Regie von ´Malina´
1986/87Adolf-Grimme-Preis für ´Ariane Mnouchkine´
1981Bundesfilmpreis Regie für ´Tag der idioten´
1980Goldener Bär der Berlinale für ´Palermo oder Wolfsburg´
1977/78Bundesfilmpreis, Adolf-Grimme-Preis, Preis des Festival Delle Nazioni und Preis als Bester Film des Filmfestivals Chicago für ´Regno di Napoli´
1975Werkschau im Österreichischen Museum in Wien
1973Werkschau im National Film Theatre in London
1970Teilnahme an der ´Quinzaine des realisateurs´ bei den Filmfestspielen in Cannes mit ´Eika Katappa´
1969Josef-von-Sternberg-Preis für ´Eika Katappa´ bei der Internationalen Filmwoche Mannheim


Filmografie (Auswahl)


2008

NUIT DE CHIEN / DIESE NACHT

2002

DEUX (Mit Isabelle Huppert, Bulle Ogier, Manuel Blanc, Arielle Dombasle, Annika Kuhl, Robinson Stévenin)

1996

POUSSIERES D´AMOUR / ABFALLPRODUKTE DER LIEBE

1990

MALINA (Mit Isabelle Huppert, Can Togay, Mathieu Carrière)
Deutsche Filmpreise: Bester Film, Beste Regie, Beste Montage, Beste Hauptdarstellerin.

1986

DER ROSENKÖNIG (Mit Magdalena Montezuma, Antonio Orlando, Mostefa Djadjam)

1982

LIEBERSKONZIL (Mit Antonio Salines, Magdalena Montezuma)

1981

TAG DER IDIOTEN (Mit Carole Bouquet, Ida di Benedetto, Ingrid Caven, Christine Kaufmann, Magdalena Montezuma) Deutscher Filmpreis: Beste Regie

1980

PALERMO ODER WOLFSBURG (Mit Nicola Zarbo, Otto Sander, Magdalena Montezuma)
Berlinale: Goldener Bär für den besten Film.

1978

REGNO DI NAPOLI (Mit Romeo Giro, Antonio Orlando, Maria Antonietta Riegel)
Deutscher Filmpreis: Beste Regie, Beste Kamera   

1976

LES FLOCONS D'OR (Mit Magdalena Montezuma, Bulle Ogier, Christine Kaufmann)

1975

DER SCHWARZE ENGEL (Mit Ellen Umlauf, Magdalena Montezuma)

1973

WILLOW SPRINGS (Mit Magdalena Montezuma, Christine Kaufmann)

1972

DER TOD DER MARIA MALIBRAN (Mit Magdalena Montezuma, Christine Kaufmann)

1971

SALOME (Mit Magdalena Montezuma, Ellen Umlauf)

1969

EIKA KATAPPA (Mit Magdalena Montezuma, Gisela Trowe)


Literatur  (u.a.)

 

Michel Foucault: Conversation avec Werner Schroeter, in: Daniel Defert & François Ewald (Hg.), Michel Foucault: Dits et écrits 1954-1988, vol. IV, Paris: Gallimard, 1994