II.BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON 10.-24. April 2012
Foto: Viola Förster - v.d. Lühe        

 

 

Wolfgang Seidel Musiker, Grafiker, Autor

 

Geboren am 9. Februar 1949 in West-Berlin während der knapp einjährigen Blockade der Stadt. Aufgewachsen bin ich in der Westhälfte Berlins, die länger brauchte als das Wirtschaftswunder-Westdeutschland, um sich von den Folgen des Krieges zu erholen. Am Leben erhalten wurde die Stadt von Subventionen inklusive der offenbar unvermeidlichen Subventionsbetrügereien. Diese Geisterökonomie hatte auch gute Seiten. Zur wichtigen Sozialisationsinstanz wurde für mich die „Ostvorstellung“ – staatlich geförderte Nachmittagsvorstellungen in einer langen Kette von Kinos, die sich entlang der vor 1961 noch passierbaren Sektorengrenze hinzogen. Cowboys und Indianer machten den größten Teil des Programms aus, weckten aber nicht meine Begeisterung. Das gelang den Science Fiction-Filmen, einem Genre, das Mitte der 1950er Jahre einen Boom erlebte und zu einem Zeitgeist passte, der sich vom technologischen Fortschritt die Lösung aller Menschheitsprobleme erhoffte. Ebenfalls subventioniert war in West-Berlin der Buchmarkt mit Sonderpreisen für die in der Stadt verkauften Bücher. Wem das immer noch zu teuer war, konnte in den Romantauschgeschäften, die es vor allem in den ärmeren Bezirken zahlreich gab, auch mit schmalem Taschengeld Lesefutter finden. Da die Zahl der Science-Fiction-Filme überschaubar war, wurden die Reihen von Zukunfts-Romanen (die englische Bezeichnung setzte sich erst viel später durch) zu meiner zweiten Bildungsinstanz. Die Filme waren allerdings an einer Stelle den auf billigen Papier (daher die englische Bezeichnung Pulp) gedruckten Heftreihen überlegen: sie hatten einen Soundtrack. Von da an wusste ich, wie die Zukunft klingen würde. Zum Ende meiner Schulzeit fanden die Ausläufer der Swinging Sixties ihren Weg auch in das am Rande der westlichen Welt liegende West-Berlin. Der Summer of Love konnte sich aber im endlosen Berliner Winter nicht richtig entfalten und ging deshalb schnell in ein turbulentes 1968 über, das die Frage nach der Zukunft anders stellte: wem gehört die Zukunft? Die erste Band (Ton Steine Scherben), mit der ich eine größere Öffentlichkeit fand, machte dann auch keine Flower-Power-Songs, sondern rief in einer Art Proto-Punk ziemlich ruppig: Macht kaputt was euch kaputt macht. Ungefähr zur selben Zeit begann meine Zusammenarbeit mit dem Beuys-Schüler und Intermediakünstler Conrad Schnitzler, die uns auf eine jahrzehntelange Suche nach dem Klang der Zukunft führte. Seitdem sind, neben einer langen Kette Brotjobs (die letzten 20 Jahre Grafiker für diverse Fernsehsender) eine schmalen Reihe Tonträger entstanden sowie einige Texte, die die musikalische Tätigkeit reflektieren.


Tonträger

 

Ton Steine Scherben:

Macht kaputt was euch kaputt macht (1970)

Warum geht es mir so dreckig? (1971)

Jenseits von Eden (1981)


Mit Conrad Schnitzler

 

Consequenz (1980)

Auf dem schwarzen Kanal (1980)

Con 3 (1981)

Consequenz II (1986)

Vulcano (2008)

Consequenz 10b (2011)


Papier

 

Scherben (2005)

Zukunftsmusik – Wie das Zukunftsversprechen des Pop vom Rückschritt abgelöst wurde (in: Testcard 18, 2009)

Echtzeitmusik (in: Testcard 20, 2011)

CON_structeur. Conrad Schnitzler 1937–2011 (in: Testcard 21, 2011)

 

 

Montag 16. April 2012                                                                                             18.00 Uhr

 

WHAT THE FUTURE SOUNDED LIKE (Australien 2006)

Buch, Regie: Matthew Bate
Mit:
Peter Zinovieff, Tristram Cary
, David Cockerell

27 min. Digibeta, OF, deutsche Erstaufführung

 

Einführung & Diskussion: Wolfgang Seidel

 

THE ALCHEMISTS OF SOUND (GB 2003)

Buch, Regie: Roger Pomphrey

Mit: Oliver Postgate, Mark Ayres, Milton Babbitt, John Baker, Wendy Carlos, Malcolm Clarke, Delia Derbyshire, Maddalena Fagandini, Brian Hodgson, Peter Kember u.a.
58 min., Digibeta, OF

 

Einführung & Diskussion: Wolfgang Seidel

Eintritt frei / Courtesy of BBC


Dienstag 17. April 2012                                                                                          18.00 Uhr

 

KRAUTROCK – THE REBIRTH OF GERMANY (GB 2009)

Regie: Ben Whalley

Mit: Wolfgang Seidel, Hans-Joachim Roedelius, Klaus Schulze, Damo Suzuki, Iggi Pop, Edgar Froese, Holger Czukay, David Bowie, Brian Eno, Michael Rother u.a.
60 min., DVD

Einführung & Diskussion: Wolfgang Seidel
Eintritt frei   / Courtesy of BBC


Dien stag 17. April 2012                                                                                         20.00 Uhr

 

Oskar Sala | großes Podium + Kurzfilme
BLENDAX ANTIBELAG  0´20“ 

TRAUTONIUM (D/GB1998)

Buch, Regie: Georg Misch · 25 min.

MIXTUREN (CH 1966)

Buch, Regie: Alexander J. Seiler & Rob Gnant · 17 min.

 

Aus dem Manfred Durniok Archiv:

BERLINER KALEIDOSKOP (BRD 1960)

Buch, Regie: Manfred Durniok · Musik: Oskar Sala · 10 min.

UNTER DER OBERFLÄCHE (BRD 1960)

Buch, Regie: Manfred Durniok · Musik: Oskar Sala · 12 min.

NEW YORK (BRD 1966)

Buch, Regie: Manfred Durniok · Musik: Oskar Sala · 12 min.

AUS EINEM ARBEITSTAG (BRD 1969)

Buch, Regie: Manfred Durniok · Musik: Oskar Sala · 10 min.

 

Mit zahlreichen Gästen, darunter Peter Badge (Fotograf), Dr. Silke Berdux (Oskar-Sala-Stiftung/Deutsches Museum München, tbc), Rudi Flatow (Cinecontract), Jürgen Hiller (Trautoniumbauer), Daniel Meiller (Deutsche Kinemathek), Wolfgang Müller (Trautoniumspieler), Hugo Niebeling (Regisseur), Oliver Rauch (Regisseur), Ingo Rudloff (Regisseur), Ulrich Rützel (Musikproduzent, -verleger), Carsten Schmidt (Musikinstrumentenmuseum Berlin), Wolfgang Seidel (Musiker, Autor) u.a.   


Montag 23. April 2012                                                                                             20.00 Uhr

 

BRIDGES-GO-ROUND (USA 1958)

Buch, Regie: Shirley Clarke

Musik: Bebe & Louis Barron / Teo Macero
7 min., 16 mm, Farbe & s/w

 

Einführung: Wolfgang Seidel

 

FORBIDDEN PLANET (USA 1956)

Regie: Fred. M. Wilcox

Musik: Bebe & Louis Barron

Buch: Cyril Hume

Kamera: George J. Folsey

Bühne: Cedric Gibbons, Arthur Lonergan

Mit: Walter Pidgeon, Anne Francis, Leslie Nielsen, Warren Stevens, Robby the Robot et al.
98 min., 35 mm, OF 

 

Einführung: Wolfgang Seidel